nur den Antrag gestellt auf ein Minimum von 175 000 <.41, das
macht für das ganze Grundstück per Ouadratruthe noch nicht einmal
600 Thaler. Ich möchte also bitten, meinen Antrag anzunehmen.
Stadtv. Bauke: M. H.! Sie missen, daß gerade die Stadtverordneten 172
- Versammlung sehr oft in die Lage gekommen ist, den
Magistrat zu ersuchen, für den schleunigen Verkauf derjenigen Grundstücke 172
zu sorgen, die zu kommunalen Zwecken nicht mehr brauchbar
sind, und gerade von der Versammlung ist dieses dringende Ansuchen
an den Magistrat gerichtet worden. Alle diejenigen Herren, die mit
den Etatberathungen genauer bekannt sind, wissen, wie es mit dem
Verhältniß des Ankaufs von Grundstücken zum Verkauf derselben
steht und daß gerade der Verkauf dieses Grundstücks in der Bendlerstraße 172
seitens der Versammlung schon seit Jahren gewünscht worden 172
ist.
Nun haben wir ja schon öfter darauf hingewiesen, daß die
Kommune nie den Preis erzielt bei Verkäufen wie der Privatmann,
weil ja da ganz andere Bedingungen gefordert werden. Ich meine
aber, wenn' die Grundeigenthum's-Deputation sich so große Mühe
gegeben hat, einen angemessenen Preis zu erzielen, so ist es Unrecht
seitens der Versammlung, stets dagegen zu opponiren. Wir haben
so viele pekuniären Gründe, solche Vorschläge des Magistrats anzunehmen, 172
daß ich Sie nur dringend bitten kann, dem Antrage des
Kollegen Moses nicht zu folgen.
Stadtv. Paulsen: M. H.! Es giebt Gegenden in Berlin, wo
die Grundstücke je nach der Konjunktur stark im Preise hin- und
herschwanken; zu den Gegenden gehört das Grundstück in der
Bendlerstraße, — andere dagegen, wo trotz der schlechten Konjunktur
die Preise ziemlich stabil sind. Ich werde mir erlauben, Ihnen einige
dieser Grundstücke zu nennen, die wir ganz prächtig verkaufen könnten,
nur 3, eines Alexandrinenstraße 70, Ecke Prinzessinnenstraße und
Louisenufer, und dann den Platz an der Ecke der Landsberger- und
Straußbergerstraße. Diese Grundstücke bringen uns sehr wenig
und wir könnten dafür einen guten Preis erzielen, wir können nicht
erwarten, daß sie nach Jahren bedeutend höhere Preise bringen.
Dagegen das Grundstück in der Bendlerstraße wird höher steigen,
das müssen wir verkaufen, wenn nachgefragt wird. Jetzt steht es so
schlecht im Preise, daß wir Schaden erleiden, wenn wir es verkaufen.
Zch bitte Sie daher, den Antrag des Kollegen Moses anzunehmen.
Stadtv. Brock: M. H.! Zch habe mir das Grundstück angesehen 172
und kann den Magistratsantrag nur unterstützen. Wenn das
Grundstück auch eine bedeutende Straßenfront hat, so ist es doch
zur Bebauung nicht vortheilhast, weil es eine geringe Tiefe hat, —
ein Berliner Zimmer, eine Küche und dann hört die Geschichte auf.
Die meisten Zimmer liegen allerdings an der Straße, aber wenn Sie
berücksichtigen, daß die Ouadratruthe 600 Thaler kostet, dann ist das
für die heutige Zeiten genug und auf solche Zeiten warten zu
wollen, wo die Grundstücke wieder sehr theuer werden, ist nicht
richtig, denn wir legen in der Zeit wieder ebenso viel an den
Zinsen zu; deshalb wäre es am richtigsten, wenn Sie dem Antrage
des Magistrats zustimmen.
Vorsteher: Die erste Berathung ist geschlossen.
Zch eröffne die zweite Berathung. — Kollege Bertheim hat
das Wort.
Stadtv. Bertheim: M. H.! Ich glaube, darüber sind wir
alle einig, Grundstücke, die nicht für die Stadt verwendbar sind, so
viel wie möglich zu verkaufen und auch nicht ä tout prix. Es handelt 172
sich also nur um die Werthschätzung, und da läuft der Antrag
des Kollegen Moses ja nur darauf hinaus, daß der Werth nicht angemessen 172
fei. Ich bin aber anderer Meinung. Wenn wir in Betracht 172
ziehen, daß wir niemals die Preise wie ein Privatmann erzielen, 172
der Prioritäten einräumt — denn es sind ja ganz andere
Verhältnisse —, dann können wir nicht den Maßstab anlegen wie ein
Privatmann.
Vor 2 Jahren ist gegenüber ein ähnliches Grundstück verkauft
worden pro Ouadratruthe mit 600 Thaler- Dieser Preis würde
hier ungefähr auch nach Abrechnung des Vorlandes herauskommen.
Nun ist nicht zu leugnen, daß eine Tiefe von 88 Fuß für stattliche
Gebäude dort nicht ausreichen, da ist weder ein Hofraum noch Gartenland. 172
Zch glaube also, daß danach der Preis von 600 Thalern
pro Ouadratruthe nach Abrechnung des Vorgartenterrains wohl ein
angemessener sein möchte, und ich möchte empfehlen, das nicht von
der Hand zu weisen, sondern nur den Zusatz zu machen, „bei mindestens 172
150000 c4t. zu verkaufen, — wir dürfen dann wohl erwarten, 172
daß der Magistrat nicht beliebig den Zuschlag ertheilen wird.
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Ich halte es auch für zweckmäßig, daß der Magistrat in die
Lage versetzt werde, sofort den Zuschlag ertheilen zu können, denn
derjenige Käufer, der darauf spekulirt, will schnell Bescheid haben
und will nicht so lange daraus warten, — das erschwert ja nur
jeden Verkauf. Wenn in dieser Weise verfahren wird, so glaube ich,
daß es dem Magistrat möglich sein wird, einen höheren Preis als
150 000 Jt. zu erreichen.
Ich empfehle Ihnen also, den Antrag des Magistrats anzunehmen
mit dem Zusatze: „bei mindestens 150 000 Jt“
Vorsteher: Die zweite Berathung ist geschlossen.
M. H.! Zch bemerke, daß es in dem Antrage des Magistrats
heißt: „unter den vorliegenden Bedingungen". Es sind aber keine
Bedingungen beigefügt, also müssen wir wohl sagen: „unter den gewöhnlichen 172
Bedingungen".
(Zustimmung.)
(Der Antrag des Stadtverordneten Moses, bei
175000 Ji. zu verkaufen, wird abgelehnt; der Antrag
des Stadtverordneten Bert heim, hinzuzufügen: „bei mindestens 172
150 000 Ji.", wird angenommen; demgemäß
wird der Antrag des Magistrats in folgender Form
angenommen:
Die Stadtverordneten-Versammlung erklärt sich mit
dem freihändigen Verkauf des Kommunalgrundstücks Bendlerstraße 172
25 für den Preis von mindestens 150 000 Ji
unter den gewöhnlichen Bedingungen einverstanden.)
M. H.! Ich habe Ihnen mitzutheilen, daß in die Gebäudesteuer-Veranlassungskommission
gewählt sind:
Herr Kollege Misch mit 76 Stimmen,
Seibert
- 73
-
Lahayn
- 73
«
Kollege Schäfer
- 72
*
- Gerth
- 69
.
Thost
- 63
-
Kollege Getter
- 60
-
- ' Lectow
- 58
-
- Gömann
- 53
Wiedermann
- 46
.
Kollege Friderici
- 41
-
Abgegeben waren 79 Stimmzettel, wovon 2 ungültig waren,
weil sie mehr als 11 Namen enthielten. Außer den Vorgenannten
haben noch erhalten:
Herr Kollege Brock 38 Stimmen,
- - Grabä 36 -
- - Zaenicke 32
- Nitze 31 -
- Baatz 30 -
Kollege Bollmann 5
Die übrigen Stimmen haben sich zersplittert.
Das Protokoll der heutigen Sitzung wird übermorgen um
1 Uhr unterschrieben werden von den Kollegen Krebs, Kühn und
Liebermann.
M. H ! Wir würden nunmehr zur Berathung des Kämmereietats
übergehen.
(Unruhe und Widerspruch.)
Wenn die Herren der Meinung sind, daß die Sitzung schon so
lange gedauert hat, daß diese Berathung nicht mehr in Ntthe und
mit einigem Erfolge geführt werden kann. — ich meine, mit Erfolg
in Bezug aus die Erledigung der Nummern —, so stelle ich anheim,
die Vertagung zu beantragen.
Stadtv. Dr. Kürte»: Ich beantrage die Vertagung.
Vorsteher: Ich fasse die Vertagung so auf, daß noch unter
allen Umständen die restirende Nummer 16 unter Ausschluß der
Oeffentlichkeit verhandelt werde.
(Zustimmung.)
Zch bitte die Herren, die die Vertagung der öffentlichen Sitzung
beschließen wollen, die Hand zu erheben.
(Geschieht.)
Die Vertagung ist beschloßen.
Für die Nr. 16 beantrage ich die Verhandlung unter Ausschluß
der Oeffentlichkeit.
(Zustimmung.)
Die öffentliche Sitzung ist geschlossen.
(Schluß der öffentlichen Sitzung um 8 Uhr)
Gedruckt bei Julius Sittenfeld in Berlin.
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