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Volume Nr. 5, 29.01.1875

Full text : Berliner Wespen / Stettenheim, Julius (Public Domain) Ausgabe 8.1875 (Public Domain)

Öoriiner  ’VP”espen,

Europäischer  Polizeibericht  der  Berliner  Wespen.
Es  wird  leider  immer  mehr  offenbar,  daß  durch  die  Art  und  Weise,
wie  in  Oesterreich  die  Gerichte  zu  Werke  gehen,  kein  Hund  aus  dem
Ofenheim  au  locken  ist.  —  Auf  einer  Razzia,  welche  die  Börsenblätter
aeaen  das  Bankgesetz  unternahmen,  fanden  sie  oen  MMonensafsa  Camphansen ­
  noch  im  Finanzministerium.  Derselbe  saß  aber  derart  fest,  baß
alle  Gerüchte,  welche  die  Börsenblätter  aussprengten,  nicht  im  Stande
waren,  ihn  zu  bewegen,  ruhig  sein  Portefeuille  zu  leeren  und  stch  in  sein
nahegelegenes  Privatleben  zurückzuziehen.  Den  Börsenblättern  bl-eb  nichts
übrig,  als  den  Finanzminister  schonungslos  seinem  Amt  zu  überlassen.  —
Es  wird  diesen  Augenblick  in  Orleans  der  bekannten  Jungftau  und  in
Neapel  der  verstorbenen  Mutter  des  Ex  -  Re  Bomba  ein  Proceß  gemacht,
welcher  sbne  Zweifel  mit  einer  Seligsprechung  enden  wird.  Wirb  nämlich
den  verstorbenen  Damen  bewiesen,  daß  sie  beim  Wunderthun  ertappt
worden  sind,  so  wird  das  Selig  über  ste  ausgesprochen  und  das  Urtheil
sofort  obne  Gnace  vollstreckt  werden.  —  Das  Jubeljahr  fängt  an.  Einem
noch  sehr  rüstigen  Jubelgreise,  Döring,  gelang  es  am  25.,  auf  der  Bühne
des  königlichen  Schauspielhauses  einen  rothen  Adler  mit  dem  bloßen
Knopfloch  zu  ergreifen.  Bis  jetzt  war  dies  daselbst  noch  nicht  vorgekommen. ­
  —  In  höheren  französischen  Kreisen  herrscht  gegenwärtig  ein
unheimliches  drückendes  Gefühl  vor,  wie  solches  rem  Ausbruch  von  Kinderkrankheiten ­
  voranzugehen  pflegt,  von  den-m  ja  Throne,  welche  mit  unbedecktem ­
  Sessel  in  freier  republikanischer  Lust  umherstehen,  sehr  leicht
befallen  werden.  Es  kommt  jetzt  eben  nur  noch  auf  den  Ausschlag  an.
Der  Teufet  und  der  /orlscbrill.
Ballade.
Was  braust  von  der  Kanzel  im  Bcsierland
Herab  mit  gewalt'gem  Gezeter?
Herr  Mestermaver  ist's,  wohlbekannt
Als  Pfarrer  vom  heil'gen  Peter.
Er  hat  stch  vermessen,  den  Fortschritt  schnell
Im  offenen  Kampf  zu  bezwingen,
Doch  wie  er  stch  mühe,  —  der  kecke  Gesell
Läßt  nimmer  zu  Boden  stch  ringen.
Abprallet  der  schärfste,  wüchsigste  Streich,
Des  Pfarrers  Kräfte  erlahmen,
Und  er  schreit  in  der  Noth:  „So  hole  doch  gleich
Der  Teufel  den  Fortschritt!  Amen!"
Nun  athmet  er  auf,  nun  hat  er  Ruh,
Er  weiß  es  ja:  mit  den  Frommen
War  immer  der  Teufel  Du  und  Du,
Nun  muß  er  zu  Hülfe  kommen.
Doch  nirgends  kann  er  die  lieben  Klau'n,
Das  Schwänzchen,  das  Hörnlein  erblicken,
Ta  faßt  den  Pfarrer  ein  heimlich'  Graun,
Und  er  sucht  sich  sachte  zu  drücken,
Und  spricht  zur  Gemein:  Ich  that  meinen  Ruf
Wohl  nicht  an  den  Richtigen  richten:
„Der  Teufel  kann  ja,  den  er  schuf,
Den  Fortschritt,  sein  Kind,  nicht  vernichten!"
Und  als  -r,  den  Blick  gerichtet  empor,
Sich  wenden  nun  will  zur  Pforte,
Da  flüstert  geschäftig  ihm  in's  Ohr
Der  Küster  die  schrecksichen  Worte:
„Herr  Pfarrer,  Herr  Pfarrer,  ich  war  hinaus
Und  wollt'  Euch  den  Teufel  schaffen,
Ich  suchte  vergebens  Haus  bei  Haus,
Ich  horckte  bei  Laien  und  Pfaffen,
Ich  stagte  die  Leute  in  Dorf  und  Stadt,
Umsonst!  —  So  ist  denn  kein  Zweifel,
Ach,  lieber  Herr  Pfarrer,  der  Fortschritt  hat
Geholt  und  gefressen  den  Teufel!"

GaribM's  Ankunft  in  Rom.
Ser  papk.  Kommt  der  Höllenhund?  Er  soll  keinen  Fuß  vorwärts
letzm  können!  (Der  Fluch  gehl  sofort  in  Erfüllung:  die  Menge  strömt
in  solchen  Mafien  herbei,  daß  Garibaldi  nicht  von  der  Stelle  kann.)
Es  soll  kein  Pferd  so  verrucht  sein,  den  bösen  Feind  in  die  Stadt  zu
ziehen!  (Mch  dieser  Fluch  wstd  erhört,  Garibaldis  Wagen  wird
vom  Volk  in  die  Stadt  gezogen.)  Wenn  er  den  Mund  zum  Reden
öffnet,  so  soll  kein  Ohr  ihn  hören!  (Richtig,  die  Hurrahrufe  sind  derart
enthusiastisch,  daß  Garibaldi  auf  dem  ganzen  Wege  nicht  zu  Wort
kommt.)

An  deu  Magdeburger  Gartenbauverei«.
(s  heutige  Wespenpost:  Postst.  Magdeburg.)
Daß  der  Minister  medaillire  Dich,
verbietest  Du  zum  Schutze  Deiner  Zwecke
Schlau  d'e  Krisik  und  ihres  Tadels  Stich?
Laß'  ab,  sonst  scheinst  Du  eine  Reihe  Böcke,
Die  selbst  gemacht  zu  Gärtnern  stch.

grölest.

Wie  wir  aus  den  Zeitungen  ersehen,  hat  der  Carlistengeneral
Lizarraga  den  Befehl  gegeben,  alle  in  der  Nähe  ihrer  Berufsorte
angetroffenen  Eisenbahn-  und  Telegraphenbeamten  zu  erschießen,  und  ist
ein  Telegraphist  auch  bereits  aus  der  Mitte  seiner  flehenden  Kinder  zum
Richtplatz  geschleppt  und  erschoffen  worden.  Ja  Folge  dessen  sind  die
Spanier  bereit,  „gegen  die  Bestien  wie  die  Bestien"  vorzugehen.
Da  wir  nach  reiflichster  Ueberlegung  absolut  nicht  wissen,  wie  wir
dazu  kommen,  mit  Lizarraga  und  Consortcn  auf  eine  Siufe  gestellt
zu  werden,  so  protestiren  wir  hiermit  feierlichst  gegen  jede  fernere  ähnliche
brutale  Injurie  und  bitten  die  geehrten  Zeitungen,  anständige  wilde
Thiere  nicht  mit  Lizarragas  und  dergleichen  in  Einem  Athem  zusammen
zu  nennen.
Dir  Heras  des  Zoologischen  Gartens.

oJ^ß  Pie  Hauben  —

Wie  der  Zwölfte  der  Alphonfos
Einzieht  in  das  Städtchen  Wo  res,
Grüßt  der  biedere  Alkalde
An  den  Pfeilern  ihn  des  Thores.
Und  es  spricht  der  Herr  Alkalde
Jetzt  im  Namen  von  ganz  Mores:
Wir  sind  nur  ein  armes  Städtchen,
Wie  ganz  Spanien  kapores.
Sohn  der  schönen  Jsabella,
Höre  mich  geneigten  Ohrer,
Nichts  als  diese  beiden  Tauben
Kann  verehren  Dir  Dein  Mores.
Wohl  bei  stch  spricht  Don  Alphonso
Trüb:  0  tswpors,  o  mores!
Doch  voll  Huld  nimmt  er  die  Tauben
Unter'm  Hoch  tes  ganzen  Chores.
Schickt  die  Vögel  an  die  Mutter,
Als  Lymbol:  ste  möge  glauben,
Daß  in  Spanien  ausgestorben
Vieles  sei,  nur  nicht  die  Tauben,
Daß  die  Spanier  nimmer  hören
Auf  die  alte,  auf  die  schlichte,
Auf  die  häufig  wiederholte
Ernste  Mahnung  der  Geschichte!

Wie  wir  hören,  hat  stch  nunmehr  Brander  wegen  seiner  in
Auerbachs  Keller  in  Leipzig  gethanen  Aeußerung:
„Doch  muß  auch  uns  ein  Oberhaupt  nicht  fehlen,
Wir  wollen  einen  Papst  erwählen,"
wie  zu  erwarten  stand,  mit  sinnloser  Trunkenheit  entschuldigt.  Dies  zur
Nottz  für  das  zukünftige  Conclave.
Kisrnarlk  und  Mar  Mahfou.
Ja,  Bismarck  hat  einen  schlimmen  Stand,
Doch  hat  Mac  Mahon  einen  schlimmern:
Wenn  Jener  Widerstand  bei'm  Centrum  fand.
Greift  dieser  hilflos  nach  Centrümmern.

Die  Annexion  Hollands  durch  Deutschland,  welche  schon  lange  m
ftanzöstschen  und  englischen  Blättern  spukt,  wird  immer  wahrscheinlicher,
denn  schon  denkt  der  Erzbischof  von  Cöln  ernstlich  daran,  seine  Residenz
nach  Holland  zu  verlegen.  Da  hat  man  es  ja  schwärz  auf  weiß.

Bebos  and  Weapenpoat  in  der  Bell  ie.
            
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