Path:
Volume Heft 12

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 46.2012 (Rights reserved)

Themen Ausland 974 Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 12 Als Ausweg aus dem Dilemma mangelnder finanzieller Unterstützung durch Bun- desbehörden und Ministerien der Bundesstaaten verlegten sich die Förderer einer Hochschulbildung für schwarze Amerikaner auf die Gründung privat finanzierter Colleges und Universitäten. Hauptpromotoren dieser Bildungsbewegung waren die „American Missionary Association” (AMA) und das „Freedmen’s Bureau“. Die AMA nahm sich vornehmlich der Lehrerbildung an und gründete bis 1870 sechs Colleges für Schwarze, die im Verlauf der Jahrzehnte zahlreiche Führungspersön- lichkeiten hervorbrachten, die als wortstarke Propagandisten einer qualitativ an- spruchsvollen Hochschulbildung für Afro-Amerikaner hervortraten. Überregional profilierten sich insbesondere Booker T. Washington und W.E.B. DuBois, nach denen heute in den USA zahlreiche Schulen benannt sind. Im Vergleich zu dem großen Kreis wohlhabender weißer Förderer, auf die sich z.B. die in der elitären Ivy-League gruppierten Universitäten – fast ausschließlich von Weißen besuchte Hochschulen – stützen konnten, blieb die Zahl schwarzer Phil- anthropen im Bildungssektor ausgesprochen begrenzt, was in der allgemein pre- kären wirtschaftlichen Situation der schwarzen Bürger begründet war. Es gab nur wenige weiße Sponsoren, darunter so prominente wie John D. Rockefeller und Andrew Carnegie, die Gelder für Black Colleges bereitstellten. Die relativ schmale schwarze Mittelschicht verfügte nicht über das nötige Finanzvolumen, um “ihre” Hochschulen auf Dauer allein mit Spendengeldern finanzieren zu können. Das machte sich während der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre schmerzlich be- merkbar, in deren Folge einige der von Schwarzen besuchten Colleges schließen mussten und die meisten nur knapp die Krisenjahre überstanden. Da sich einzelne Colleges mit der Aufgabe eines effektiven Fundraising überfordert sahen, grün- deten die College-Rektoren 1944 den “United Negro College Fund”, der dann ein professionelles Fundraising-Konzept umzusetzen und entsprechend höhere Er- träge einzuwerben verstand. Zum Retter aus ihrer finanziellen Notlage wurde schließlich der Oberste Gerichts- hof der USA, als er 1954 in einem Urteil festlegte, dass im Bildungswesen der Ver- fassungsgrundsatz „separate but equal“ zu beachten sei, den Black Colleges also dieselben öffentlichen Finanzressourcen verfügbar gemacht werden müssten wie den von Weißen besuchten Institutionen. Dieser Grundsatzentscheidung wurde in der Praxis zunächst nur wenig Folge geleistet, und so brachten erst zwei von Präsident Johnson unterzeichnete Gesetze (Civil Rights Act, 1964; Higher Educa- tion Act, 1965) den endgültigen Durchbruch. Den schwarzen Studienbewerbern standen fortan alle Hochschulen des Landes offen, sofern sie den obligatorischen Hochschuleingangstest gut bestanden – eine hohe Anforderung im Hinblick auf die Mängel in der schulischen Ausbildung von Schwarzen. Wenn sie reüssierten, stellten dank spezieller Stipendienprogramme auch hohe Studiengebühren keine unüberwindbaren Hürden mehr dar.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.