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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue46.2012 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 2 75 Themen 200 Jahre französische Nationalbibliografie Gernot U. Gabel Kaiser Napoleon unterzeichnete 1811 das Gründungsdekret, und heute ist die „Bibliographie Nationale Française“ die älteste Nationalbibliografie der Welt. Dem Gründungsakt ging eine Debatte über die Pflichtablieferung der französi- schen Verlage und Druckereien voraus. Im revolutionären Überschwang des Jah- res 1790 war diese erstmals 1537 dekretierte Verpflichtung abgeschafft worden, doch schon 1793 hatten die Parlamentarier die Ablieferung von Druckerzeugnis- sen wieder eingeführt, allerdings auf freiwilliger Basis, und entsprechend wenig befriedigend waren die Ergebnisse, zumal aus dem Blickwinkel einer misstraui- schen Zensurbehörde. Im Februar 1810 verfügte die nunmehr kaiserliche Verwal- tung erneut die Pflichtablieferung über das „dépôt légal“, und prompt schnellte die Zahl der eingehenden Werke nach oben (von den fünf Exemplaren waren zwei dem Innenministerium zuzuleiten, wo damals die Zensurbehörde angesiedelt war!). Das der Pariser Nationalbibliothek zustehende Exemplar bildete dann die Grundlage für eine laufende Verzeichnung der abgelieferten Druckerzeugnisse, die ab Dezember 1810 zunächst unter dem Titel „Journal Général de la Librairie et de l’Imprimerie“ herauskam und als kommerzielles Projekt vom Pariser Verleger Pierre Pillet vertrieben wurde. Mit dem von Napoleon am 14. Oktober 1811 in Ams- terdam unterzeichneten Dekret wurde das Unternehmen offiziell genehmigt und sogleich eine Titeländerung vorgenommen: Ab dem 1. November 1811 erschien die Liste der neuen Publikationen unter dem Titel „Bibliographie de l’Empire fran- çais“. Nach Napoleons Abdankung als Kaiser und seiner Verbannung nach Elba erfolgte die nächste Umbenennung: Seit dem 1. Mai 1814 hieß sie „Bibliographie de la France“. Laut Gründungsdekret waren Bücher, Stiche und Noten abzuliefern, die im ers- ten Teil der Bibliografie verzeichnet wurden. Im zweiten, dem kommerziellen Teil, platzierte man Anzeigen der Verleger und Buchhändler. Bereits im ersten Jahr wurden 5.442 Titel gezählt, anfangs übrigens aufgelistet nach Sprachen und Na- tionen! In den folgenden Jahren gingen jeweils zwischen sechs- und siebentau- send Titel ein, und ein erster Höhepunkt wurde 1826 mit 8.273 Titeln verzeichnet. Auch während der Juli-Monarchie (1830–48) und der Zweiten Republik blieb es in etwa bei diesen Zahlenwerten, um dann im Zweiten Kaiserreich (1852–1870) auf jährlich ca. 12.000 Werke anzusteigen. 1856 erwarb der (neun Jahre zuvor ge- gründete) französische Buchhandelsverband „Cercle de la Librairie“ die Herstel- lung und den Vertrieb der Bibliografie von der Familie Pillet. Seitdem umfasste sie drei Teile: neben der Verzeichnung der Titel und den Annoncen auch noch eine Sektion mit Mitteilungen über die Verlags- und Buchhandelszene (chronique).
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