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Volume Heft 8/9

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 46.2012 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 672 Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 8/9 Ausblick Die Konzentration auf Bibliophiles, auf Einzelstücke, auf Rara, die den Wert und das Besondere des kulturellen Erbes veranschaulichen, ist sinnvoll und gut, aber bei den historischen Sammlungen der ZLB nicht alles. Immer weisen diese „Be- sonderheiten“ auf den Gesamtkontext „ihrer“ Sammlung hin. Die Sammlung an sich ist etwas Geschlossenes, nicht nur ein paar, auch auf Auktionen gut zu ver- steigernde, besondere Einzelstücke. Der Blick auf das Ganze als Einheit ist auch ein Wert an sich und hat eine Aussage in vielfältigem historischen Kontext und mehrfachen (heute teilweise noch gar nicht sichtbaren) wissenschaftlichen Frage- stellungen. Der Blick auf die bürgerlich-städtische Kultur17, der Blick auf das Bildungsverständ- nis des Bürgertums, zu dem auch das Sammeln gehörte, wird die Nachfrage nach Sammlungen gerade aus den letzten beiden Jahrhunderten zukünftig noch er- höhen. Sammlungen sind Quellen der Geschichte in vielfachem Sinne. Nicht der Einzeltitel ist allein entscheidend, für den kann es Interesse und Nachfrage geben, das ist legitim und sinnvoll, sondern auch die Sammlung in Gänze findet ihre Inte- ressenten und wird daher in der ZLB geschlossen bewahrt. Jeder Bibliotheksbestand ist historisch gewachsen. In seiner Zeit war er bedarfs- und funktionsorientiert übernommen worden. Und unabhängig davon, ob es sich um die Frage nach der Originalerhaltung und auch der Digitalisierung von Sammlungen geht, um deren Erschließung oder um deren Zugänglichkeit, immer ist zu berücksichtigen, dass bei einer Sammlung der Zusammenhang der Einzeltitel gewahrt wird, weil dieser erst in der Geschlossen- heit eines Ensembles seine Aussagekraft umfassend entfalten kann. 17 Bezeichnend die Ausführungen in der FAZ vom 10.07.2002 nach Übernahme der Kuczynski-Sammlung durch die ZLB, die man als „Schatztruhe der DDR“ bezeichnete und die Existenz und die Bewahrung dieser Sammlung als Beleg dafür anführte, dass es der DDR eben nicht gelungen sei, bürgerliches Kultur- und Bildungsverständnis auszulöschen.
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