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Volume Heft 8/9

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue46.2012 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 664 Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 8/9 stand auch in seinen Sammlungspezifika ist als gegeben zu betrachten und dem- entsprechend für die Benutzer heute und morgen zu bewahren. Schaut man sich die heutige ZLB mit ihren über siebzig historischen Samm- lungen an, so fallen zwei Dinge auf. Aus inhaltlicher Sicht lässt sich eine große Vielfalt feststellen, hier einige Beispiele: die Impfbibliothek mit einem medizin- historischen Schwerpunktthema (die Geschichte der Pockenimpfung im 19. Jahr- hundert), Dichterbibliotheken wie die von Ernst von Wildenbruch (1845–1919), Willibald Alexis (1798–1871), Franz Fühmann (1922–1984) und Johannes Bobrow- ski (1917–1965), Sammlungen über Dichter wie das Arno-Holz-Archiv (1863–1929), die Sammlung „Hedwig Courths-Mahler“ (1867–1950), Theologennachlässe wie die von Adolf Deißmann (1866–1937), Karl Kleinschmidt (1902–1978) und Walter Bredendiek (1926–1984), die Bibliothek des preußischen Staatskanzlers Fürst Karl August von Hardenberg (1750–1821), die über sechs Generationen zusammenge- tragene Bibliothek der Familie Kuczynski, der Bibliothek des Altertumsforschers Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff (1848–1931), die Bibliothek des Publizisten Julius Rodenberg (1831–1914), u.a. mit Schwerpunkten in englischer Literatur und Geschichte, die Sammlung des Arztes George Friedlaender (1829–1892) zur Re- volution 1848, die Bibliothek des sozialdemokratischen Abgeordneten Emil Bas- ner (1852–1918) mit sozialistischer und anarchistischer Literatur aus dem 19. Jahr- hundert, die sprachwissenschaftliche Bibliothek des Philologen August Engelien (1832–1903) usw. Ein „Sammelsurium“? Keineswegs! Es gibt eine Gemeinsamkeit im Typus der Sammlungen, es sind fast ausnahmslos Gelehrtensammlungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, bei denen die gezielt arbeitende ordnende Hand und das Sammelinteresse von Einzelpersonen sichtbar wird, also ein „roter Faden“ jeder Einzelsammlung beschreibbar ist. Diese Sammlungen erzählen nicht nur ihre eigene Sammelgeschichte sondern darüber hinaus sind sie wichtige Quel- le für die unterschiedlichsten, in der Regel kulturwissenschaftlichen und histori- schen, Fragestellungen. Mehr noch, ein genauerer Blick zeigt auch Zusammenhängendes und aufeinander Bezogenes in den Sammlungen, und dabei lassen sich vor allem zwei Grundlinien aufzeigen: eine „politisch-historische Schwerpunktsetzung und eine literarische. Darüber hinaus gibt es ganz klar definierte Sonderbestände wie z.B. die Autogra- phensammlung, die Rara-Sammlung, die Sondersammlung der Amerika-Gedenk- bibliothek und die neu aufgebaute Sammlung der vor 1851 erschienenen alten Drucke. Ebenso gibt es zudem eine größere Gruppe von Musiknachlässen von Komponisten, die in Berlin gewirkt haben.11 Auch bei diesen ist der unmittelbare Berlin-Bezug sowie die zeitliche Konzentration auf das 20. Jahrhundert erkennbar. 11 So z.B. der katholische Kirchenmusiker Günther Gerlach (1928–2003) oder der Komponist Martin Grabert (1868–1951) u.v.a.
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