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Volume Heft 7

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue46.2012 (Rights reserved)

Themen Erwerbung 612 Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 7 Im Übrigen wäre zu ergänzen, dass auch aktuelle Geschenkangebote von privater Seite und Tauschgaben von NS-Raubgut-Zusammenhängen betroffen sein kön- nen und demnach entsprechend zu behandeln sind. Nun soll der Umstand nicht übersehen werden, dass ein Großteil der angebotenen Geschenke und der antiquarischen Angebote entweder keine signifikanten Merk- male aufweist bzw. dass entsprechende Hinweise in den Beschreibungen der An- bieter fehlen. Wo Hinweise in den betreffenden Exemplaren und Beschreibungen fehlen, können weitergehende Recherchen von Bibliotheken in der meist knapp bemessenen Zeit vor der Erwerbung nur selten geleistet werden. Der Anbieter hat dagegen mitunter zusätzliche Angaben über die Herkunft der Waren vorliegen und sollte diese auch offenlegen bzw. schon bei seinen eigenen Kaufentschei- dungen berücksichtigen. In den Angebotskatalogen vergessene, übersehene oder anderweitig ausgelassene Hinweise bei Beschreibungen der Bücher sind ein Problem, das durch den partnerschaftlichen Dialog mit den Auktionshäusern und Antiquariaten hoffentlich zunehmend aus der Welt geschafft werden kann. Darauf wird im folgenden Abschnitt zurückzukommen sein. 2. Wer kann zu einer Lösung des Problems beitragen? 2.1 Bibliotheken Aus den bisherigen Ausführungen wird deutlich, dass Bibliotheken bzw. Mitarbei- ter und Mitarbeiterinnen in den Bibliotheken ihren Teil zur Lösung des beschrie- benen Problems beitragen können. Dabei ist zum einen von Seiten der Vorge- setzten eine Definition entsprechender Recherchen als Teil des Arbeitsumfangs bei der antiquarischen Erwerbung zu notwendig. Gerade für die teilweise engen Zeitpläne im Auktionsbetrieb sind diese Recherchen eine zusätzliche Herausfor- derung. Zum anderen können Schulungen der Mitarbeiter notwendig werden, um zum Beispiel auch auf Fälle aufmerksam zu werden, bei denen der NS-Raub- gut-Verdacht weniger eindeutig erkennbar ist als bei dem eingangs beschriebe- nen Beispiel mit überklebtem Besitzstempel. Weiterhin ist der oben eingeforderte Dialog mit den Anbietern zu führen: Ein weiterer Umstand, der die Erwerbungs- arbeit nicht gerade erleichtert, aber der unbedingt notwendig ist, damit die ein- mal für die Recherchen investierte Ressource Arbeitszeit außer zur Abwendung eines Kaufs auch zu konstruktiven Ergebnissen im Sinne der Washingtoner Erklä- rung von 1998 und der gemeinsamen Erklärung von 1999 führen kann. Kommt es im Einzelfall eben doch einmal zu Ankäufen von Raubgut, die erst im Nachhinein als solche erkannt werden, ist die Courage aufzubringen, den Sachverhalt nicht „unter den Teppich zu kehren“, sondern die Erbensuche zu veranlassen und gege- benenfalls zu restituieren. Hierfür müssen neben den Bibliotheksmitarbeitern die Vorgesetzten und auch die jeweiligen Verwaltungen ein Klima schaffen, in dem solche Handlungen möglich sind.
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