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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 46.2012 (Rights reserved)

Digitale Bibliothek Themen Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 5 379 und Telekommunikationsbranche die Zukunftsindustrie ist, und damit diese Zu- kunftsbranche noch besser floriert, soll die Kultur- und Kreativwirtschaft gestärkt werden. Die Kultur- und Kreativbranche wird damit zum Treibstoff einer anderen Branche degeneriert, ein Eigenwert wird ihr nicht mehr beigemessen. Ebenso scheint vollkommen egal zu sein, welche Inhalte durch die Netze weiter- geleitet werden. Hauptsache, es sind Inhalte. Eine solche Betrachtungsweise ver- schenkt einerseits die Chancen, die die Kreativindustrien als Inhaltslieferanten bieten und sie läuft zugleich Gefahr, die besonderen Anforderungen für die Kul- tur- und Kreativbranchen – insbesondere den Schutz des geistigen Eigentums – auf das Spiel zu setzen. Digitalisierung: die zweite bahnbrechende Revolution Die Digitalisierung ist nach der Einführung des Buchdrucks die zweite bahnbre- chende Revolution im Kulturbereich. Der Buchdruck ermöglichte erstmals die massenweise Verbreitung von Schriften. Bücher mussten nicht mehr handschrift- lich abgeschrieben werden, sie konnten vielmehr in vielfacher Form gedruckt wer- den. Neue Berufe, neue Vertriebswege entstanden. Das Verlagswesen ist nur mit dem Buchdruck denkbar. Der Buchhandel setzt auf ein funktionierendes Verlags- wesen auf. Bibliotheken sind nicht mehr Hüter seltener Handschriften – bis auf die wissenschaftlichen Bibliotheken –, sondern versorgen breite Bevölkerungsschich- ten mit Literatur, sei es schöngeistige oder auch Sach- und Fachliteratur. Der Buchdruck revolutionierte aber nicht nur die Herstellung und den Vertrieb von gedruckten Materialien. Er löste zugleich eine Bildungsbewegung sondergleichen aus. Es ist sicherlich kein Zufall, dass Reformation und Buchdruck und daraus ent- stehend eine breite Bildungsbewegung zeitgleich stattgefunden haben. Erst das Buch – und die Alphabetisierung – ermöglichte breiteren Bevölkerungsschichten den Zugang zu Bildung. Welche Sprengkraft Bücher und Zeitungen hatten, kann daran gesehen werden, dass versucht wurde, Frauen über Jahrhunderte hinweg der Zugang hierzu zu verwehren und dass – nur am Rande bemerkt – noch im 19. Jahrhundert Gustave Flaubert in seinem Roman Madame Bovary die „Ver- derbtheit“ der Hauptperson auf das „Romanen lesen“ zurückführen konnte, zeigt welche Bedeutung der Zugang zu Büchern für die Welterschließung hat. Bücher, Romane verführten, die führten weg aus der Enge des Hauses in neue Welten. Das bewegte Bild, zuerst im Kino, dann im Fernsehen setzte auf die emanzipa- torische Wirkung des gedruckten Werkes auf. Und auch das Radio, älter als das Bewegtbild, nutzt zwar einen neuen Verbreitungsweg und hat beispielsweise mit dem Hörspiel auch eigene künstlerische Gattungen hervorgebracht, bedeutet aber keinen so fundamentalen Schnitt wie die Einführung des Buchdrucks.
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