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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 46.2012 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 182 Bibliotheksdienst 46. Jg. (2012), H. 3/4 Von der geschlossenen Anstalt zur Forschungsbibliothek Die Metamorphosen der Herzog August Bibliothek im 20. Jahrhundert Paul Raabe zum 85. Geburtstag am 21. Februar 2012 Georg Ruppelt Festung Bibliothek Als der Wolfenbütteler Oberbibliothekar Otto von Heinemann 1904 im Alter von 80 Jahren sozusagen am Stehpult starb, schrieb sein Nachfolger Gustav Milchsack folgende Sätze in seinen Nachruf: „Zwar pflegte er [Heinemann] über unbeschei- dene Zumutungen scherzend wohl manchmal zu sagen, die Bibliothek sei wie eine öffentliche Dirne jedermann preisgegeben. Allein, er war keineswegs geson- nen, sie prostituieren zu lassen. Wer an die Pforten der Bibliothek allzu ungestüm pochte in der Meinung, daß Bücher und Beamte nur darauf gewartet hätten, von ihm für seine, natürlich höchst bedeutenden Forschungen in Anspruch genom- men zu werden, der sah sich leicht, zu seiner Überraschung, einem Oberbibliothe- kar mit kühler Amtsmiene und zugeknöpftem Rock gegenüber, und daß er [also der Benutzer] hinterher seinen Ärger über nicht erfüllte Wünsche und Ansprüche in tadelnden Ausdrücken Luft machte, war menschlich und nicht unbegreiflich. Angesichts solcher Gelehrten, die meist aus der jüngeren und jüngsten Genera- tion herbeikamen, erinnerte v. Heinemann sich gern des Lessingschen Wortes, daß er ‚der Stallknecht nicht sei, der jedem hungrigen Pferde das Heu in die Rau- fe trage‘, und er übernahm dann wohl auch die Rolle ‚des Hundes, der das Heu bewacht‘.“ Dieser Wachhund wollte Lessing allerdings expressis verbis durchaus eben nicht sein.1 1 Zitiert nach Wolfgang Milde: Die Wolfenbütteler Bibliothek im Wilhelminismus. In: Die Herzog August Bibliothek in den letzten 100 Jahren. Vier Beiträge zur Vergangenheit und Gegenwart der Wolfenbütteler Bibliothek. Hrsg. von Paul Raabe. Göttingen 1980. (Arbeiten zur Geschichte des Buchwesens in Deutschland. Hrsg. von Paul Raabe; H. 7.) S. 9–40, S. 36. Der auf die Bibliotheksgeschichte bezogene Teil des Beitrages basiert im Wesentlichen auf folgenden Publikationen: Georg Ruppelt: Bemerkungen zur Geschichte der Herzog August Bibliothek zwischen 1920 und 1950. In: Die Herzog August Bibliothek in den letzten 100 Jahren, a.a.O. S. 41–57; ders.: Von der Herzoglichen Bibliothek zur Herzog August Bibliothek. Geschichte der Wolfenbütteler Bibliothek von 1920 bis 1949. Göttingen 1980. (Arbeiten zur Geschichte des Buchwesens in Deutsch- land. Hrsg. von Paul Raabe; H. 4); Lexikon zur Geschichte und Gegenwart der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel. Im Auftrag der Gesellschaft der Freunde der Herzog August Bibliothek. Hrsg. von Georg Ruppelt und Sabine Solf. Paul Raabe zum 29.02.1992. Wiesbaden 1992; Felicitas Hundhausen: Heinrich Schneider. Bibliothekar und Gelehrter. Wiesbaden 1995 (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des
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