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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue45.2011 (Rights reserved)

Benutzung Themen Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 11 977 blieben für nachgefragte Literatur im Printformat zu wenig freie Erwerbungsmit- tel. Deutliche Rückgänge beim Ankauf monografischer Forschungsliteratur nach Menge und Qualität wurden in Kauf genommen. Die Primärauswirkungen für die Literaturversorgung am Ort sind doppelt negativ: die lokal zunehmende Unterausstattung mit benötigten Büchern führt nicht nur zur immer stärkeren Inanspruchnahme der Fernleihe, sondern auch zur zahlen- mäßig beachtlich angewachsenen Verlängerungs- und Vormerk-Notwendigkeit in der Ortsleihe. Das bedeutet unliebsame Kosten und Wartezeiten für die Benut- zer einerseits und zusätzlichen Personal- und Verwaltungsaufwand für die Biblio- theken andererseits. Universitätsbibliotheken der alten Bundesländer müssen in- zwischen jährlich mehr Forschungsmonografien per Fernleihe beschaffen als für den Eigenbestand erworben werden können. Als Sekundärfolge hat sich dadurch für viele Bundesländer im Leihverkehr der Universitätsbibliotheken untereinander in kurzer Zeit das Verhältnis von eigener Geberfähigkeit zu eigener Nehmerabhängigkeit grundlegend gewandelt. Durch restriktive Copyright-Bedingungen für elektronisch gehaltene Zeitschriften wer- den Kopiermöglichkeiten beschnitten, die Informationsautarkie ganzer Bundes- länder zunehmend geschwächt und die Abhängigkeit von gebührenpflichtigen Lieferungen aus anderen Bundesländern verstärkt. Die massiven und oft pauschalen Online-Zeitschriftenaufstockungen als solche sind von den Benutzern vor Ort dankbar angenommen worden. Sie waren aber bislang noch keineswegs von einem auch nur annähernd gleichwertig massiven Rückgang der Fernleih-Bestellungen für Zeitschriftenaufsätze begleitet. Hier schlummern noch ergiebige Optimierungsreserven durch Bedarfsanpassung und Chancen auf Mittelfreisetzung für notleidendere Bestandssegmente. Was ist durch die Mittelumlenkung 1998 gewonnen, was mit der forcierten Um- stellung auf digitalisierte Information? Von der eingangs zitierten Forderung „Be- nötigte Informationen müssen den Angehörigen der Hochschulen unmittelbar am jeweiligen Arbeitsplatz zur Verfügung stehen“ hat sich das Wie? („unmittelbar am jeweiligen Arbeitsplatz zur Verfügung“) in beachtlichem Maße verbessert. Das Was? („benötigte Informationen“) hat für seinen digitalisierten Teilbereich eben- falls einen erheblichen Ausbau erfahren, allerdings erkauft durch gründlichen Rückbau des übrigen Bereichs und den Verlust des freien Verfügungsrechts an der digital erworbenen Information. „Reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer viel gibt.“ Eine Universitätsbibliothek, ein Bundesland oder eine Gesellschaft können sich in diesem Sinne nur dann reich nennen, wenn die aus Steuergeldern der Gemeinschaft zum Nutzen der Gemein- schaft beschafften Bestände allen Informationssuchenden zur Verfügung stehen. Zum Armenhäusler wird, wer zulässt, dass dem bedürftigen Nachbarn nur deshalb nicht mehr ausgeholfen werden darf, weil profitorientierten Einzelinteressen Vor- rang eingeräumt wird vor dem Gemeinwohl als Grundlage des Zusammenlebens.
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