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Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 45.2011 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 856 Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 10 Wohl aus diesem Grunde ist der Wissenschaftsrat bei der Suche nach geeigne- ten organisatorischen Strukturen radikaler als die DFG. Letztere empfiehlt, statt der bisherigen regionalen Verbundstrukturen „strin gente, verbundübergreifende arbeitsteilige Strukturen bei Betrieb und Entwicklung der gegenwärtigen wie der zukünftigen Dienste“ zu schaffen, „um unnötige Mehrfacharbeit zu ver meiden und die Durchsetzung einheitlicher Standards zu erleichtern“. So könnten insbe- sondere im Bereich des „ursprünglichen Kerngeschäftes der kooperativen Katalo- gisierung“ „Rationalisierungsgewinne erzielt und zur partiellen Ab deckung neuer Dienstleistungen investiert werden“ (DFG, S. 10). Der Wissenschaftsrat hingegen schlägt eine „deutliche Reduzierung der Zahl der Verbünde“ (WR, S. 39) vor – eine Empfehlung, die bisher sicherlich die größte Aufmerksamkeit erzielt hat. Eine genauere Lektüre der Empfehlungen zeigt, dass auch der Wissenschaftsrat kei- ne „aktive“ Reduzierung der Zahl der Ver bünde anstrebt. Er geht vielmehr davon aus, dass sich die Frage, „ob eine re gionale Organisation der Verbünde überhaupt noch sinnvoll ist, bzw. wie viele Ver bünde in Deutschland künftig notwendig sein werden“ (WR, S. 41), im Zuge einer funktionalen Arbeitsteilung zwischen den Ver- bundzentralen quasi von selbst (automatisch) erledigen wird. Die in den 1970er und 1980er Jahren geschaffenen Bibliotheksverbünde wurden bisher kaum in Frage gestellt. Dagegen finden sich in der Fachliteratur geradezu auffallend viele Verteidiger der Regionalstruktur. Oft wird angeführt, dass über- schaubare Regional strukturen die erforderliche Einflussnahme der einzelnen Verbundbibliotheken auf den Gesamtverbund und die Verbundzentrale verein- fachten. So reflektierte Klaus-Dieter Lehmann 1986, damals Leitender Direktor der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt, in einem Beitrag über den „Funktions- wandel zwischen Verbundzentren und Bibliotheken“ u.a. über Pro und Contra „nationaler Bibliotheksverbund“ versus „regionale Bibliotheksverbünde“. Ihm sei, schreibt er, „in den zurückliegenden Jahren sehr deutlich geworden, welche Vor- teile in überschaubaren Verbundsystemen gegeben sind“22: „Analysieren und Diskutieren ist einfacher; langes Planen kann auch einmal er- setzt werden durch Ausprobieren; Vorschläge und Anregungen haben einen ganz anderen Stellenwert; es bildet sich eine Mitarbeiterbasis in den Bibliotheken her- aus, die ihr Verbundsystem effektiver zu machen sucht, weil sie sich damit identi- fizieren kann: Benutzerfreundlichkeit und Service haben als Werte mehr Chancen sich durchzusetzen, weil die Eigenständigkeit der Bibliotheken in einem über- schaubaren Bereich größer ist als in einem Mammut-Unternehmen. Derartige Ver- 22 S. z.B.: Klaus-Dieter Lehmann: Funktionswandel zwischen Verbundzentren und Bibliotheken. In: Bibliotheken im Netz. Funktionswandel wissenschaftlicher Bibliothe- ken durch Informationsverarbeitungsnetze. Konstanzer Kolloquium (19.–21.2.1986). Vorträge Joachim Stolzenburg zu Ehren. Hrsg. von Richard Landwehrmeyer, Klaus Franken, Ulrich Ott und Günther Wiegand. München [u.a.] 1986, S. 83–102, hier S. 87.
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