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Volume Heft 8/9

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue45.2011 (Rights reserved)

Themen Erschließung 688 Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 8/9 Der Test sollte aber nicht nur die Sicht der Erschließer, sondern auch die der Nut- zer mit einbeziehen: Dafür hatten Bibliothekare und Nutzer die entstandenen RDA-Titelaufnahmen zu bewerten (S. 67–70). Am meisten kritisiert wurde dabei der Ersatz der Allgemeinen Materialbenennung durch die drei neuen Datenele- mente Inhaltstyp, Medientyp und Datenträgertyp – die freilich, wie schon erläu- tert, überhaupt nicht für die Benutzeranzeige vorgesehen sind. Die Abschaffung der Abkürzungen (z.B. jetzt „illustrations“ statt bisher „ill.“) wurde positiv bewer- tet – insbesondere auch der Abschied von lateinischen Abkürzungen wie „[s.n.]“ für „sine nomine“ (in RDA jetzt: „publisher not identified“). Dass z.B. die Personal- angaben in der Verfasserangabe nicht mehr weggelassen und die Beschreibun- gen dadurch länger werden, wurde hingegen z.T. kritisch betrachtet: „Spends too much time spelling out unnecessary information“ (S. 70). Die Einführung von „relationship designators“ ähnlich unseren Funktionsbezeichnungen wurde be- grüßt. Ebenfalls erfreut waren die Nutzer über die erhöhte Zahl der Eintragungen in den RDA-Katalogisaten. Im Umkehrschluss darf man daraus ableiten, dass eine Verringerung der Eintragungen – was gemäß RDA ebenfalls möglich wäre – nicht im Interesse unserer Nutzer läge. Dies sollte bei der Erstellung der geplanten RDA- Anwendungsregeln für den deutschsprachigen Raum berücksichtigt werden. Die Architektur des Tests brachte es mit sich, dass eine ganz zentrale Frage – näm- lich die, ob bzw. wie Nutzer mit dem FRBR-Modell zurecht kommen – nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet werden konnte. Denn die im Test produ- zierten MARC-Aufnahmen sind durchgängig nicht wirklich FRBRisiert, sondern entsprechen im wesentlichen dem Status quo in heutigen Katalogen mit seiner Vermischung der drei Ebenen Werk, Expression und Manifestation in einem einzi- gen Datensatz.24 Immerhin wird den Systemherstellern empfohlen, entsprechen- de Oberflächen zu entwickeln: „Develop displays that support FRBR relationships. The relationships should be clear and easy to follow for public users“ (S. 24). Bernhard Eversberg wies zu Recht darauf hin, dass sich der Bericht an keiner Stel- le explizit zu den drei Szenarien äußert, die vor einigen Jahren für die mögliche datenbanktechnische Implementierung von RDA vorgestellt wurden.25 Dabei geht das Szenario 1 von einer relationalen oder objektorientierten Datenbank aus, in der jede Entität des FRBR-Modells und seines Schwestermodells FRAD (für Normdaten) einen eigenen Datensatz besitzt. Diese Entitäten sind durch Links mit- einander verbunden. Wenn man es mit FRBR ernst meint, kann nur dies das Ziel- 24 Dies wird durch eine „Schlupfloch“-Regel in RDA (17.4.2.3) ermöglicht; vgl. dazu Wiesenmüller (wie Anm. 22), S. 290. 25 Bernhard Eversberg in der RDA-List, 20.06.2011, URL: < http://www.mail-archive.com/rda-l@listserv.lac-bac.gc.ca/msg05751.html>. Zu den Szenarien vgl. RDA implementation scenarios, URL: http://www.rda-jsc.org /docs/5editor2rev.pdf>.
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