Path:
Volume Heft 7

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue45.2011 (Rights reserved)

Notizen 628 Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 7 Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Provenienzforschung auch dank umfangreicher Fördermaßnahmen des Bundes und einiger Bundesländer sowie durch die Begründung der Berliner Arbeitsstelle für Provenienzrecherche / -for- schung (http://www.arbeitsstelle-provenienzforschung.de/) zu einem höchst ak- tiven, komplexen und entschieden interdisziplinär orientierten, eng vernetzten Forschungsfeld entwickeln können. Längst hat sich dabei die Erkenntnis durch- gesetzt, dass erfolgreiche Provenienzforschung nicht „nebenberuflich“ und ohne umfassende Vorkenntnisse betrieben werden kann. Auf Kulturgüter bezogene Provenienzforschung ist, vor dem Hintergrund der kriegerischen Geschichte des 20. Jahrhunderts, eine politisch wie historisch sehr wichtige historische Spezial- disziplin, welche in ihrer speziellen Ausprägung derzeit nirgendwo erlernt werden kann. Angesichts der unermesslich hohen Anzahl von Kulturgütern und insbesondere Büchern, die nach 1933 ideologie- und kriegsbedingt verschoben und in öffent- liche Einrichtungen, besonders Bibliotheken, integriert wurden, lässt sich die An- nahme, dass es sich dabei nur um ein temporär wichtiges Forschungsfeld han- deln würde, in keiner Weise rechtfertigen: Die Provenienzforschung wird uns in Deutschland noch viele Jahrzehnte beschäftigen müssen. Denn die Art und Weise des Umgangs mit der deutschen Vergangenheit der Jahre 1933–1945 ist immer auch eine öffentliche Stellungnahme, die international sehr genau wahrgenom- men wird. Diese Art und Weise des Umgangs ist aber eben auch dazu geeignet, die freiheitlich-demokratische Grundhaltung der heutigen Informationsfachleute (Bibliothekare, Archivare, Dokumentare, etc.) und der heutigen politischen Ver- antwortlichen öffentlich sichtbar zu machen und zu dokumentieren. Aus diesen Gründen haben die mehr als 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des IV. Hannoverschen Symposions „NS-Raubgut in Museen, Bibliotheken und Archi- ven“, das im Mai 2011 auf Einladung der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover und der Stiftung Bergen-Belsen veranstaltet worden ist, die Formulierung eines Offenen Briefes beschlossen, der den fördernden politischen Entscheidungsträgern – dem Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann und der Niedersächsischen Ministerin für Wissen- schaft und Kultur, Professorin Dr. Johanna Wanka – mittlerweile zugegangen ist. Der Wortlaut folgt unten. Wir sind der Ansicht, dass die in diesem Schreiben formulierten Erkenntnisse alle Universitäten, Bibliotheken, Museen, sammelnden und bewahrenden Institutio- nen und viele gesellschaftlich relevante Gruppen angehen und – hoffentlich – ihre breite Akzeptanz finden werden. Deshalb bitten wir auch Sie, sich dieser Thematik anzunehmen, unsere folgend formulierten Anregungen zu unterstützen, umzusetzen und zu verbreiten. Dr. Annette Gerlach (Referatsleiterin Zentral- und Landesbibliothek Berlin)
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.