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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 45.2011 (Rights reserved)

Bibliotheken Themen Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 1 53 „damit es der Gegenwart und Zukunft diene“. Außerdem stellt sie fest: „Ein um mehrere Jahrhunderte zurückreichendes Material liegt zerstreut in den staatli- chen Bibliotheken.“2 Dieser Satz ließ mich aufhorchen. Was heißt zerstreut? Und welche staatlichen Bibliotheken sind gemeint? Also versuchte ich mir ein Bild von der Berliner Biblio- thekslandschaft gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu machen. Laut „Berliner Bib- liothekenführer“ von Schwenke/Hortzschansky gab es um 1900 ca. 28 Volksbiblio- theken und neuerdings Lesehallen. Schon 1859 wurde ein Bücherverzeichnis der damals 5 städtischen Volksbibliotheken veröffentlicht, 1900 feierte man bereits ihr 50-jähriges Jubiläum.3 Aber: Schon in den 1880er Jahren gab es Kritik an den veralteten Buchbeständen, schmalen Öffnungszeiten und schwerfälligen Nut- zungsbedingungen (mit Kautionen z.B.), weshalb die „Leistungskennziffern“ (wie es heute heißt) schlecht waren. Frischen Wind brachte die Lesehallenbewegung auf der Grundlage von Erfahrungen der Public Libraries in England, den USA und Australien. Vorreiterin für Berlin war hier Bona Peiser, die in England gearbeitet hatte und 1895 die erste Lesehalle einer Gesellschaft gründete und leitete.4 Dann gab es in Berlin noch die Königliche Bibliothek; sie war mit ca. 1,2 Mill. Bänden (um 1905) zur größten und leistungsfähigsten Bibliothek des deutschen Sprachraums geworden. (Sie spielt später noch eine Rolle.) Der Buchbestand war streng getrennt: in den Volksbibliotheken und Lesehallen vorwiegend Literatur zur Erbauung und Unterhaltung, in der Königlichen Bibliothek die wissenschaft- liche Literatur. Außerdem war es wohl üblich, dass nicht nur eine neue soziale Bewegung sich eigene Bibliotheken schuf, wie die Frauenbewegung in ihrer Geburtsstadt Leip- zig ihre erste Bibliothek 1866 durch den Leipziger Frauenbildungsverein (diesen Hinweis erhielt ich von Dr. Johanna Ludwig aus Leipzig5). Auch zahlreiche Vereine und Gesellschaften aus Wirtschaft, Bildung und Politik hatten ihre eigenen Biblio- theken und veröffentlichten auch Kataloge. 2 Lischnewska, Marie: Die Bibliothek der Frauenfrage. In: Die Frauenbewegung. Berlin 2(1896)10, S. 96 3 Schwenke, Paul ; Hortzschansky, Adalbert: Berliner Bibliothekenführer. Berlin : Weidmann, 1906. 163 S. 4 Vgl.: Adametz, Thomas: Bona Peiser (1864–1929) : Wegbereiterin der Bücherhallen- bewegung und Deutschlands erste Bibliothekarin. In: Lüdtke, Helga (Hrsg.): Leiden- schaft und Bildung : zur Geschichte der Frauenarbeit in Bibliotheken. Berlin : Orlanda Frauenverlag, 1992. – S. 133–141 5 Kontakt über Louise-Otto-Peters-Gesellschaft: http://www.louiseottopeters-gesellschaft.de/
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