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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 45.2011 (Rights reserved)

Bibliotheken Themen Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 5 443 1840 erhielt die Universitätsbibliothek das 2. Stockwerk des berühmten Univer- sitätsbaus, den Friedrich von Gärtner – neben Leo von Klenze der bedeutendste Baumeister im Königreich Bayern unter Ludwig I. – entworfen hatte; hier residierte die Bibliothek unter den Oberbibliothekaren Johann Joseph Ignaz von Döllinger, Karl Franz Emil Schafhäutl und Paul Rudolf von Roth. Über die Verwendung der einzelnen Räume als Magazine, Lese- oder Ausleihzimmer sind nähere Angaben nicht überliefert. Erst 1892 hinterließ Christian Ruepprecht eine notdürftige Be- schreibung, anhand derer sich das Zimmer des Oberbibliothekars sowie der Bib- liotheksdiener und möglicherweise der Katalogsaal und das Ausleihzimmer loka- lisieren lassen. Nach Ruepprechts Notizen verfügte die Bibliothek über 23 lichte und luftige Gänge, kleine und große Säle, deren Raumhöhe den Einsatz von Lei- tern mitunter erforderlich machte. Außer den Räumen im 2. Stock gab es noch ein Dozentenlesezimmer im Erdgeschoss. Nur vier Räumlichkeiten ließen sich jedoch beheizen; zu ihnen zählten das Ausleihzimmer, das Lesezimmer der Studenten, das Zimmer des Oberbibliothekars sowie ein vierter Raum, der als Aufenthalts- und Arbeitsraum für das Personal diente. Dieser Raum beheimatete auch die Mehrzahl der Kataloge, hier arbeiteten die Professoren und andere Personen mit besonderer Zulassungsgenehmigung.3 Als Oberbibliothekar Paul Rudolf von Roth 1892 starb, befanden sich nach Georg Wolffs Bericht von 1922 nicht nur der Betrieb, sondern auch die Räume der Bi- bliothek in einem desolaten Zustand. Das studentische Lesezimmer mit seinen langen Tischen und niedrigen Schulbänken ohne Rückenlehne verglich Wolff mit einer armseligen Studentenküche und dem Dozentenlesezimmer attestierte er den Charme eines schäbigen Rauch- und Konversationsraums eines kleinen Ba- deortes.4 Der Nachfolger Roths, Hans Schnorr von Carolsfeld, ging energisch die Reform des Betriebs und die Ausgestaltung der Räume an. Infolge der Erweite- rungsbauten im Nordflügel der Universität an der Adalbertstraße, deren Pläne der Architekt Emanuel Seidl entworfen hatte, konnte er zwischen 1897 und 1899 die Magazine in den südlichen Teil des Hauptgebäudes verlegen und den gesamten nördlichen Teil zu geräumigen sowie auf der Höhe der Zeit stehenden Benutzer- und Verwaltungsbereiche umgestalten. So entstanden drei Lesesäle, nämlich der Allgemeine Lesesaal, der Juristische und Staatswissenschaftliche Lesesaal und das Professorenzimmer mit insgesamt 200 Arbeitsplätzen auf über 500 Quad- ratmetern. Der Katalogsaal konnte mehr als 90 Quadratmeter beanspruchen, das Zimmer des Oberbibliothekars verfügte über ansehnliche 64 Quadratmeter – nicht einmal die Hälfte dieser Raumgröße gestand der Neubau von 1967 dem 3 Christian Ruepprecht, Die Büchersammlungen der Universität München. Geschichtlich- statistisches Handbüchlein. Regensburg 1892, S. 25–27. 4 UB München, 4° Cod. ms. 996(17 (Materialien zur Geschichte der Universitätsbibliothek München: Gebäude): Eintrag von Ladislaus Buzás zur Gebäudesituation 1892–1908.
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