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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 45.2011 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 1 3 Themen Die „Biblioth?que de l’Hôtel de Ville“ in Paris Gernot U. Gabel Das Pariser Rathaus auf dem nördlichen Seine-Ufer, das mit seiner Prachtfassa- de und dem reichem Figurenschmuck zu den gern angelaufenen Stationen der Sightseeing-Touren gehört, beherbergt auch eine bibliothekarische Attraktion: Die „Biblioth?que de l’Hôtel de Ville“, die nach dreijähriger Renovierungszeit ihre Tore seit September 2010 wieder für Benutzer geöffnet hält. Die heutige Bibliothek ist aus den Wirren der französischen Revolution hervorge- gangen. Als man 1803 die zentralen Bücherdepots der Seine-Metropole auflöste, erhielt die Stadtverwaltung eine Kollektion übereignet, die man ihr als Kompen- sation für die 1797 requirierten Bücher zusprach. Da die Stadt auf diese Gabe nicht vorbereitet war, verstaute man die Bände provisorisch in einem Adelspalais, bis die etwa 30.000 Bände zählende Sammlung 1817 ins Rathaus transferiert wurde. Dieser im frühen 17. Jahrhundert vollendete Bau, der einem Renaissancepalast nachempfunden war, wies aber keine für die Unterbringung einer Bücherkol- lektion geeigneten Räumlichkeiten auf, und so erhielt die Sammlung als neues Domizil eine ungenutzte Kapelle zugewiesen. Erst als in den 1840er Jahren eine Renovierung und Erweiterung des Rathauses erfolgte, kamen die Bücher in drei Räumen des Dachgeschosses unter. Allerdings setzte nun die Feuchtigkeit den Bänden erheblich zu und die Bibliotheksleitung protestierte mehrmals gegen die- se unzureichende Unterbringung, aber ohne jeden Erfolg. Am Ende dieser wenig erbaulichen Episode stand dann ein Fanal: Als sich die Aufständischen der Pariser „Commune” gegen die Regierungstruppen zur Wehr setzen mussten, zündeten sie im Mai 1871 das Rathaus an; wenige Stunden später lag der gesamte Bau in Schutt und Asche, einschließlich der Bibliothek mit ihren rund 50.000 Bänden. Der Regierungspräsident verfügte umgehend den Wiederaufbau des Rathauses. Der Neubau sollte auch ein angemessenes Bibliotheksquartier aufweisen, und daher erließ er 1872 die Verordnung, zwei Bibliotheken einzurichten: Eine histori- sche Kollektion, die dem Publikum zur Verfügung stehen sollte (als „Biblioth?que Historique“ ist sie seit 1969 im Hôtel d’Angoul?me Lamoignon im Marais unter- gebracht), sowie eine auf die Bedürfnisse der Verwaltung zugeschnittene Samm- lung. Die Planungen zogen sich bis 1877 hin, und für die Bibliothek war ein Raum auf der fünften Etage des Neubaus vorgesehen, direkt über dem großen Festsaal. Der lang gestreckte, ca. 600 qm umfassende Lesesaal sollte gemäß den Vorga- ben feuersicher gestaltet sein, und so überwölbten die Architekten Théodore Ballu und Édouard Deperthes die gesamte Nutzfläche mit einer sanft geschwun- genen Metallkonstruktion. Allerdings wollte man diese Sicherheitsmaßnahme vor den Augen der Besucher verbergen, und daher erfolgte eine Verkleidung der
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