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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 45.2011 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 2 131 Themen Zur Finanzlage der britischen Hochschulbibliotheken 1999–2009 Gernot U. Gabel Im Wahlkampf hatte David Cameron, Parteichef der britischen Konservativen, den Wählern ein drastisches Sparprogramm angekündigt, und als Premierminister einer Koalitionsregierung schritt er auf dem Weg zur Sanierung des Staatshaus- halts zügig voran. Im Herbst 2010 verkündete Schatzkanzler George Osborne den Abbau von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst sowie Ausga- benkürzungen in Höhe von rund 80 Milliarden Pfund. Die Hochschulen werden von den Sparmaßnahmen nicht ausgenommen. Ihnen sollen in den nächsten vier Jahren die staatlichen Zuwendungen um etwa 40 Prozent gekürzt werden, als Teilausgleich ist eine Verdreifachung der Studiengebühren vorgesehen. Als Reak- tion auf dieses beispiellose Kürzungsprogramm kam es bei Studentenprotesten in London zu Gewalttätigkeiten, die in ihrem Ausmaß sowohl die Polizei wie die Politiker überraschten. Bereits vor Ankündigung des Sanierungsprogramms war in Bibliothekskreisen die Befürchtung geäußert worden, die Sparmaßnahmen im tertiären Bildungssek- tor könnten voll auf die universitären Bibliotheken durchschlagen. Dabei hatten die britischen Universitätsbibliotheken schon im vergangenen Jahrzehnt Mühe, im hochschulinternen Verteilungskampf nicht zurückzufallen. Dies belegt die im Herbst 2010 veröffentlichte Studie „Trends in the Finances of UK Higher Education Li- braries 1999–2009“ (London: Research Information Network), die auf statistischen Angaben basiert, die SCONUL (Society of College, National and University Libra- ries) bereitgestellt hatte. Nach dieser Studie konnten die britischen Hochschulbibliotheken im Verlauf des Jahrzehnts 1999–2009 einen nominellen Etatzuwachs von 31 Prozent ver- buchen. Bei den Universitätsbibliotheken der Traditionsuniversitäten fiel der Zu- wachs etwas höher aus, bei den jüngeren Institutionen hingegen blieb er unter dem Durchschnittswert. So erfreulich dieses Faktum an sich ist, so relativiert es sich angesichts der Tatsache, dass im selben Zeitraum die Gesamtbudgets der Hochschulen um rund 60 Prozent zunahmen und damit eine signifikant höhere Steigerungsrate verzeichneten. Die Rahmenbedingungen wandelten sich aller- dings beträchtlich: im Berichtszeitraum stieg die Zahl der Studierenden deutlich an (2009: knapp 2,4 Millionen an 165 Hochschulen), gleichfalls erhöhte sich die Zahl der Lehrkräfte und die Forschungsaktivitäten wurden intensiviert. Die Uni- versitätsbibliotheken haben von dieser Expansionsphase nur bedingt profitiert. Anscheinend vermochten sie den von ihnen betriebenen Wandel von Print- zu IT- basierten Informationsangeboten ihren Hochschulleitungen nicht so eindrucks-
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