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Volume Heft 12

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 45.2011 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 45. Jg. (2011), H. 12 1059 Vom „Service Commun de la Documentation“ zur „Biblioth?que“ Die neue Verordnung über die universitären Bibliotheken Frankreichs Gernot U. Gabel Mit Veröffentlichung des „Rapport Vandevoorde“ (1982), erarbeitet durch eine vom Premierminister eingesetzte Kommission, war das wenig koordinierte Nebeneinander von zentraler Universitätsbibliothek einerseits und den bei Ins- tituten, Seminaren und Laboratorien angesiedelten Fachkollektionen so offenge- legt geworden, dass sich die französische Regierung in ihrem Vorhaben bestärkt sah, die bibliothekarischen Einheiten einer Hochschule zu einem System zusam- menzuführen. Mit der Verordnung vom Juli 1985 (Décret Nr. 85-694) wurde für jede Universität ein „Service Commun de la Documentation“ (SCD) ins Leben ge- rufen mit dem Ziel, ein koordiniertes Zusammenwirken beim Aufbau von Litera- tursammlungen auf dem Campus in die Wege zu leiten und diesen Prozess durch einen Beirat (conseil) überwachen zu lassen. Die zentrale Universitätsbibliothek war stets in das neue System integriert – dessen Direktor erhielt oftmals die Lei- tung des SCD übertragen –, hingegen blieb es den über den Campus verteilten Einheiten überlassen, in welchem Umfang sie sich von dem neuen Steuerungs- gremium abhängig machen wollten. Die von den Fachbereichen, Instituten und Laboratorien verwalteten Kollektionen konnten wählen zwischen dem Status einer „biblioth?que intégrée“ und einer „biblioth?que associée“. Im ersteren Fall übernahm der SCD die Verwaltung dieser Einheiten im vollem Umfang, während die assoziierten Sammlungen zwar ein Zusammenwirken mit dem SCD zu verein- baren hatten, aber doch relativ autonom blieben. Das Dekret bewirkte, dass die Bibliothekslandschaft einer Universität schärfer in das Blickfeld des Rektorats wie der universitären Leitungsgremien gerückt wur- de. Der Direktor eines SCD war gehalten, dem Rektorat regelmäßig Jahresberichte vorzulegen, in denen der Einsatz des Personals und die Verausgabung der Finanz- mittel offengelegt sowie der Stand der Kooperationsvereinbarungen aufgezeigt wurden. Als materiellen Anreiz lobte das Wissenschaftsministerium Fördermittel für diverse Projekte aus, die jeweils für vier Haushaltsjahre zugesichert wurden und somit den Bibliothekssystemen eine mittelfristige Planungssicherheit eröff- neten. Die Leitung eines SCD konnte den Ausbau der Literatur- und Medienres- sourcen als positives Element der Hochschulentwicklung ausweisen, was ihrem Profil und Status, vornehmlich gegenüber Lehre und Forschung, innerhalb der Universität zugute kam. Der Bedeutungszuwachs, der den Literatur- und Medien- kollektionen insgesamt zugemessen wurde, schlug sich nicht selten in einer er- höhten Zuweisung von Finanzmitteln nieder. Doch trotz dieser administrativen
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