Path:
Volume Heft 10

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 44.2010 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 44. Jg. (2010), H. 10 933 Profil und Entwicklung der Lettischen Nationalbibliothek seit 1991 Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurden grundlegende biblio- thekspolitische Entscheidungen der Sowjetära revidiert: Die Tätigkeit der letti- schen Bibliotheken und damit auch der Nationalbibliothek, wurde auf eine neue gesetzliche Grundlage gestellt;9 aus ideologischen Gründen separierte Bestände wurden (teils schon gegen Ende der Sowjetära) wieder zugänglich gemacht, die Erschließung nach der in der Sowjetunion gebräuchlichen Bibliotheks-Bibliogra- phischen Klassifikation (BBK) eingestellt und oktroyierte Organisationsstrukturen wie die Trennung zwischen Nationalbibliothek und Nationalbibliographischem Institut (der vormaligen „Buchkammer“) aufgehoben.10 Nachdem 1989 zunächst der Name des Schriftstellers und ehemaligen Ministerpräsidenten der lettischen SSR, Vilis-L?cis, aus dem Namen der Institution getilgt worden war, wurde sie 1991 in „Lettische Nationalbibliothek“ (Latvijas Nacion?l? bibliot?ka, kurz LNB) umbe- nannt. Die Sammlungsentwicklung der vergangenen Jahrzehnte, die lückenhafte Bestandserschließung und -zugänglichkeit, die zunächst nur ansatzweise vorhan- dene IT-Struktur wie auch die unzulängliche räumliche Situation der Bibliothek bedeuten für die lettische Nationalbibliothek jedoch bis heute ein schweres Erbe. Ihrem Auftrag gemäß ist sie zugleich eine allgemein zugängliche wissenschaft- liche Bibliothek als auch Archivbibliothek. Die ihr im Gesetz zugeschriebene Funk- tion als Parlamentsbibliothek nimmt sie hingegen in der Praxis nur sehr einge- schränkt und nur auf konkrete Anfrage hin wahr.11 Da die übrigen Bibliotheken in Riga, u.a. die Universitätsbibliothek und diejenige der Kulturakademie, sehr schlecht ausgestattet sind, fungiert die Nationalbibliothek zudem nolens volens als Substitut für die Rigenser Hochschulbibliotheken. Der Raum in den Lesesälen ist mit 300 Arbeitsplätzen dabei sehr knapp bemessen, zumal die Besucherzah- len in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen sind.12 Die Anzahl der Beschäftigten an der Lettischen Nationalbibliothek ist in den Jahren 2007/08 im 9 Seit 1992 sind die Aufgaben der Lettischen Nationalbibliothek durch das Gesetz „Über die lettische Nationalbibliothek“ („Par Latvijas Nacion?lo bibliot?ku“) sowie eine vom Ministerrat erlassene Satzung geregelt. 10 Vgl. Vilks, Andris: Ce?? zu laikmet?gu Latvijas Nacion?lo bibliot?ku [Auf dem Weg zu einer zeitgemäßen Nationalbibliothek]. In: Latvijas Nacion?l?s bibliot?kas Zin?tniskie Raksti (2009), S. 4–14, S. 6ff; Cirule, Sandra: Veränderungen in der Arbeit der Bibliotheken Lettlands: Theorie und Praxis. In: Bibliothek 28 (2004), S. 184–187, S. 185f. 11 Vgl. Vilks, S. 13. Hintergrund dürfte sein, dass das lettische Parlament mittlerweile über eine eigene kleine Bibliothek verfügt. 12 Die Anzahl der registrierten Nutzer ist laut den vom lettischen Bibliotheks- entwicklungsinstitut erhobenen Kennzahlen von 44.361 (2003) auf 81.363 im Jahr 2007 gestiegen. Vgl. LNB (Hrsg.): Latvijas bibliot?ku darba r?d?t?ji 2003–2007 [Lettische Bibliotheksstatistik]. Riga 2008, online abrufbar unter http://www.lnb.lv/lv /bibliotekariem/statistika/latvijas-biblioteku-darba-raditaji-2003-2007.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.