Path:
Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 44.2010 (Rights reserved)

Bibliotheken Themen Bibliotheksdienst 44. Jg. (2010), H. 6 603 Bestandsreduktion, also Aussonderung1 gehört. Selbst dann, wenn es nicht um einen Erweiterungsbau geht, muss die Bibliothek sich auf Fragen der Ausnutzung des Status quo vorbereiten. Wenn es stimmt, dass wir an der EUV (genau so wie andere Bibliotheken) nicht „einfach so“ zu einem für uns geeigneten Zeitpunkt mit einem Platzzuwachs rech- nen können, müssen rechtzeitig Strategien entwickelt werden, um dauerhaft mit dem Status quo auszukommen: Es bedarf eines insofern inhaltlich bestimmten Bestandsmanagements. „Gebrauchsbibliotheken konzentrieren sich auf die Versorgung von Wissenschaft- lern und Studierenden mit den aktuell benötigten Informationen für Forschung, Lehre und Studium. Hierzu gehört die Bereitstellung eines Büchergrundbestands, der auf eine festgelegte Bestandszahl hin ‚gedeckelt’ ist: Gebrauchsbibliotheken sind Bibliotheken mit einem Nettonullwachstum ihrer gedruckten Bestände“ (Vogel/Cordes 2005, 25). „In Fachhochschulbibliotheken und an Bibliotheken ohne Archivierungsfunktion sollte aus Kostengründen zukünftig ein Nettonull- wachstum realisiert werden. Die Aussonderung von alten Beständen muss ent- sprechend fortgeführt bzw. neu überdacht werden (ebd., 59).“ Ältere diesbezgl. Hinweise finden sich z.B. in den Empfehlungen des Wissenschaftsrates (1986)2, bei Frühwald (1988) und Poll (2001, 172): „Hochschulbibliotheken haben die Aufgabe, die für Lehre, Forschung und Studium in ihrer Hochschule benötigte Literatur zu sammeln. Mit diesem Auftrag ist jedoch nicht die Verpflichtung verbunden, die gesamte Literatur auf Dauer zu archivieren. Literatur, die ... nicht mehr dem Profil der Hochschule entspricht, ist auszusondern.“ Die Position Genges (1987), der wis- senschaftliche Bibliotheken allgemein Archivcharakter zuschreibt und infolgedes- sen Aussonderungen als absolute Ausnahme darstellt, ist zwar nett gemeint und wäre unter optimalen Bedingungen auch widerspruchslos akzeptabel, ist aber für heutige Zwecke, d.h. unter in aller Regel nicht optimalen Platzbedingungen leider nicht (mehr?) praktisch brauchbar. Das langfristige Ziel lautet: Nullwachstum (bei ständiger Verbesserung/Aktuali- sierung der Qualität des Bestandes). Der Bestand an elektronischen Medien kann 1 Vielleicht weil der Begriff „Aussonderung“ manchen allzu juristisch eingefärbt ist und auch die SWD diesen Begriff als für „Aussonderungsrecht“ zu benutzenden angibt, werden auch andere Begriffe verwendet: Plieninger (2009) schreibt „Deakzession“ und Umstätter (2001“) „Deakquisition“. 2 Diese Empfehlungen sind von manchen als Verschleierungsversuch der Sparzwänge im Wissenschaftssektor interpretiert worden; andere werteten diese Empfehlungen als „Angriff auf die bibliothekarische Berufsehre“ (Michel 2007, 10), weil keine Möglichkeit gesehen wurde, sich mit dem zunehmend rasanten Wandel des bibliothekarischen Berufsbildes vom Bewahren zum Organisieren von Wissen anzufreunden. – Raabe (1989, 2865) bezeichnet „Aussonderung“ in diesem Zusammenhang als ein „böses Wort“.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.