Abgeordnetenhaus von Berlin - 6. Wahlperiode
81. Sitzung vom 24. Mal 1973
1888
Bitter (SPD): Herr Gomann! Darin stimmen wir überein,
und wir können es ja mal probieren.
(Heiterkeit)
Lassen Sie mich nach dieser lustigen Einlage hier zusammenfassen:
Ich würde herzlich bitten, daß wir in den
Ausschußberatungen diese zv/eite Änderung der Schiffahrtsverordnung
wirklich mit aller Sachlichkeit durchsetzen.
Wir sollten uns alle bemühen, diese Verordnung
in die Praxis gehen zu lassen, und ich habe hier auch den
Wunsch, Ihnen zu sagen: Die Argumentation, die immer
gebracht wird, wir hätten die Anträge der CDU abgelehnt,
die stimmt nicht, sie waren nur nicht für die erste Änderung
notwendig — da ging es um den Freizeit- und Erholungswert
und nicht um Umweltschutz und Wasserverschmutzung
—; wir haben von Herrn Senator Dr. Riebschläger
gehört, daß Ihre Anregungen in die dritte, vierte
oder fünfte Änderung dieser Schiffahrtsordnung mitverarbeitet
werden.
(Abg. Diepgen: Sechste!)
Lassen Sie uns alle gemeinsam zum Wohle der Berliner
Bevölkerung und für unser Ballungsgebiet wirklich für alle
etwas Gutes zusammenbringen, dann haben wir viel erreicht,
und, Herr Wahl, wir werden dann auch bei der
nächsten Wahl genauso bestehen können wie Sie. — Danke
schön!
(Beifall bei der SPD)
Stellv. Präsident Lorenz: Das Wort hat der Abgeordnete
Gomann.
Gomann (CDU); Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Nur einige kurze Richtigstellungen; es fällt mir
sehr schwer bei den teilweise außerordentlich sympathischen
Kontrahenten hier, doch einige Dinge müssen klargestellt
werden.
Einmal hat Herr Ritter zum Schluß eigentlich eine Sache
schon wieder ausgesprochen, die einfach wichtig ist. Wir
wollen nicht hier über Umweltschutz sprechen, denn damit
hat die jetzige Verordnung des Senats nichts zu tun; und
es hat keinen Sinn, wenn wir immer wieder Argumente
verbringen, die durch öftere Wiederholung ja nicht richtiger
werden. Das ist also hier kein Problem des Umweltschutzes,
sondern ein Problem der Freizeit und Erholung,
denn wir haben nachgewiesen — und alle sind wir darüber
einig —, daß durch die Sportmotorboote keine überwiegend
große Beeinträchtigung der Umwelt erfolgt. Das
können wir also erst einmal weglegen.
(Abg. Heß: Das Schwimmen dazwischen!)
— Das Schwimmen; ich komme auf das Schwimmen noch
gleich zu sprechen.
Weiter steht eines fest, Herr Senator, Sie sprachen von
der Änderung der Schiffahrtsverordnung. Wir haben sie
leider zu spät in Kraft gesetzt, dies hätten Sie natürlich
eher machen können. Dann hat der Herr Senator versucht,
in sehr vorsichtiger Form zu umschreiben — und
mit besonderer Eleganz versucht — die — wie Ich es vielleicht
etwas klarer ausdrücken würde — Verrichtung der
Notdurft auf Motorbooten. Hierzu möchte ich nur eines
sagen, Herr Senator: Ich bin nicht ganz sicher, ob die
Badenden immer zum Ufer schwimmen, wenn sie ihre
Notdurft verrichten wollen.
(Heiterkeit bei der CDU)
Dann, Herr Senator, sind Sie mir die Antwort eigentlich
darauf schuldig geblieben, warum Ihre Behörde vor der
Bootsausstellung und während der Bootsausstellung auf
Anrufe die Erklärung abgegeben hat, der Senat denke nicht
an ein Wochenendfahrverbot. Sie hätten dann viele Menschen
davon abgehalten, sich ein Motorboot zu kaufen. Darüber
hätte ich gerne noch eine Antwort.
Dann ist da eine Sache, auch, Herr Kollege Arndt, die wir
doch sehen müssen und die wir hoffentlich ln den Beratungen
im Ausschuß noch einmal sehr ernsthaft prüfen
sollten. Ich persönlich bin der Meinung, daß dieses Wochenendfahrverbot
eben nicht nur Motorboote — es handelt sich
hier nicht nur um Motorboote —, sondern auch die Segelboote
betrifft, well sie auch meistens nicht rein- und rauskönnen.
Das wissen Sie sehr genau. Bei Ihnen weiß Ich, Sie
waren früher mal auf dem Wasser, bei Frau Renner weiß
ich nicht ganz genau, ob sie schon mal auf dem Wasser
war,
(Heiterkeit)
bei Herrn Senator Dr. Riebschläger möchte ich es bestreiten,
daß er den Wannsee — außer vom Funkturm — ein
einziges Mal gesehen hat; vielleicht noch vom Flugzeug,
wenn er ihn überflogen hat. Denn auf dem Wasser, Herr
Senator, waren Sie sicherlich nicht, sonst hätten Sie solche
Ausführungen nicht gemacht. Also das Problem der Segelboote,
die auch darunter fallen, sollte wirklich begriffen
werden.
Dann ist noch zu einer Sache etwas zu sagen: zur Erholung
der Wanderer. Die Erholung der Wanderer wird
nun ganz bestimmt nicht durch den Bootsverkehr auf den
Berliner Gewässern beeinträchtigt, das kann sich jeder
ansehen. Wir sprechen ja ausdrücklich von dem Erholungswert
für alle Berliner, und wir wissen ganz genau, wie
wichtig da die Badenden sind, und deshalb haben wir auch
mehr geschützte Badestellen gefordert. Wir haben uns
natürlich gefreut, Herr Senator, daß ein großer Teil unserer
Vorschläge bei Ihnen wieder erschien. Wir sind uns da
ganz einig, daß natürlich die Reihenfolge durchaus von der
Verwaltung mitbestimmt wird. Aber in einer Sache sind
wir uns noch nicht ganz einig: Sie glauben, die Bürgerinitiative
berücksichtigt zu haben. Also einmal glaube ich,
daß von einigen doch sowieso diese Bürgerinitiative etwas
auf die leichte Schulter genommen wird. Bitte, Sie alle
wissen, die Sie in politischer Arbeit stehen, wie schwer es
ist, für irgendeine Sache Unterschriften zu sammeln, und
Sie wissen, daß diese Menschen Zigtausende von Unterschriften
zusammengetragen haben; das sollte man nicht
belächeln und nicht auf die leichte Schulter nehmen, und
man sollte nicht so tun, als ob die Vorstellungen der Bürgerinitiative
berücksichtigt worden seien. Genau das, Herr
Senator, was Sie hier vorlegen, wollte nämlich die Bürgerinitiative
verhindern; und zur Bürgerinitiative gehören
komischerweise nicht nur Motorbootfahrer, sondern genausogut
Segler, Ruderer und auch Badende. Sehen Sie sich
bitte diese riesigen Unterschriftensammlungen an, dann
wissen Sie, was dort zusammengetragen worden ist.
Dann muß ich noch eines sagen zu Ihren Bemerkungen,
Herr Kollege, als Sie erklärten, ein Teil unserer Vorstellungen
werde dadurch verwirklicht, daß man ja nun morgens
und abends wieder mit den Motorbooten zu den Stegen
fahren könne, die Motorbootfahrer wollten angeblich ja
nur eines: morgens rausfahren, ankern, von dort aus baden
und abends wieder zurück. Sie vergessen aber ganz, daß
Sie dabei die Boote zwingen, in einem bestimmten Zeitraum
zu fahren. Das ist doch nicht so angenehm, das hat
sich früher verteilt. Sie werden jetzt also erleben, erst
einmal am Sonntagmorgen, daß die meisten nicht gern
so früh aufstehen wollen. Da werden die meisten zwischen
acht und neun
(Frau Abg. Renner; Ach nee!)
— Frau Renner, Sie stehen natürlich um sieben auf, aber
viele wollen sich am Sonntag ausschlafen — zu ihren
Liegeplätzen donnern — na, am ersten Tag des Wochenendfahrverbotes
lade ich Sie ein, dann sehen Sie sich das
an! —, werden dann bis zur letzten Sekunde bleiben, und
dann werden sie nach Hause donnern, und das alle zusammen
in einem großen Schwarm. Alles das ist nicht gut.
(Abg. Beier: Wieso donnern, die fahren doch
alle so leise?)