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Volume Heft 5

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 44.2010 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 44. Jg. (2010), H. 5 377 Themen Die Bibliothek der „École Normale Supérieure“ in Paris Gernot U. Gabel Der Hochschulsektor Frankreichs wird bekanntlich von einem dualen System ge- prägt: Neben den Universitäten, an denen heute ca. 1,5 Millionen Studierende im- matrikuliert sind, gibt es etwa 400 sogenannte Elitehochschulen (grandes écoles) mit kaum 200.000 Studierenden. Diese spezialisierten Hochschulen, die sich teils in staatlicher, teils in privater Trägerschaft befinden, decken fachlich ein breites Spektrum ab, das von Ingenieur- und Wirtschaftsschulen bis zu Kaderschmieden des höheren Staatsdienstes reicht. Der Zugang erfolgt in der Regel über eine Auf- nahmeprüfung (concours), auf die sich die besten Abiturienten in zweijährigen Kursen (classes préparatoires) vorbereiten. Als eine der ältesten und berühmtes- ten „grandes écoles“ gilt die „École Normale Supérieure“ im Pariser Quartier Latin, die als Ausbildungsstätte für Lehrkräfte des gymnasialen und universitären Be- reichs einen fast legendären Ruf genießt. Die Hochschule Bis ins späte 18. Jahrhundert dominierte die katholische Kirche das Bildungswesen Frankreichs, doch mit dieser Praxis brach die Französische Revolution radikal. Die mit der Reform des Schulwesens befassten Parlamentarier setzten auf ein öffent- liches, staatlich kontrolliertes Schulwesen sowie eine vom Staat kontrollierte Leh- rerausbildung. Man wollte die künftigen Lehrkräfte aus allen gesellschaftlichen Schichten rekrutieren, nur die Besten zulassen und die Ausbildung auf hohem Niveau in Verbindung mit einer anspruchsvollen Lehre in den naturwissenschaft- lich-technischen Fächern durchführen. Zu diesem Zweck verabschiedete das Re- volutionsparlament im Oktober 1794 das Gesetz über die Gründung einer „École Normale“ (die Bezeichnung geht übrigens auf deutsch-österreichische Vorbilder zurück) mit Sitz in Paris. Bereits im Januar 1795 begannen die Vorlesungen, zu denen 1.400 Eleven zugelassen waren, aber schon fünf Monate später musste das Unternehmen aufgrund organisatorischer Schwierigkeiten eingestellt werden. Die Wiedergründung zog sich dann bis 1808 hin, als Napoleon die „Université de France“ schuf, der ein Institut zur Lehrerbildung angeschlossen war, das 1810 im ehemaligen College du Plessis den Lehrbetrieb aufnahm. Benötigte man anfangs eine Empfehlung des Gymnasiums als Voraussetzung für eine Zulassung, so hatten die Bewerber ab 1815 nach dem Abitur (baccalauréat) eine von der Schulleitung ausgearbeitete landesweite Aufnahmeprüfung (concours) zu bestehen. Seit 1830 gibt es zwei Studienrichtungen: Geisteswissenschaften (lettres) und Naturwissen- schaften (sciences), und die Studienzeit beträgt seither drei Jahre. Ihren heutigen
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