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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 44.2010 (Rights reserved)

Beruf Themen Bibliotheksdienst 44. Jg. (2010), H. 1 23 die „dienstlichen Qualitäten“ ab, die „für die Ausfüllung der an der Universitäts- bibliothek zu besetzenden Stelle erforderlich“ seien; dem sehr gut beurteilten Kandidat aus der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf sei daher „der Vorrang in den Qualifikationen zuzusprechen.“ Allerdings änderte Ostermann Zubers dienstliche Beurteilung vom 28. Juli 1955 nachträglich in zwei entscheidenden Punkten handschriftlich mit Bleistift ab: Die Kategorie „Diensteifer“ stufte er von „sehr gut“ auf „anerkennenswert“, die „Berufskenntnisse“ von „sehr gut“ auf „gut“ herab. Honi soit qui mal y pense – das spürte wohl auch Ladislaus Buzás, als er sich in einem Brief im Sommer 1959 bei seiner Kurskollegin zweifelnd erkundigte, „welche Gefühle Sie der Universitätsbibliothek gegenüber hegen“ würde. Nach der Geburt ihrer beiden Kinder stellte die Bibliothekarin ihre Versuche ein, in ihren erlernten Beruf zurückzukehren.16 Nach Margarete Zubers einjährigem Gastspiel sollte es fast zwei Jahrzehnte dauern, bis wieder Frauen zum hD-Kollegium der UB München stießen. Doch noch in den 1980er Jahren hatte eine Bibliothekarin im höheren Bibliotheksdienst mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, ihren An- trag auf eine Teilzeitstelle durchzusetzen, um eine bessere Betreuung ihrer beiden Kinder zu gewährleisten; ihr Gesuch bewilligte schließlich die Personalverwaltung der LMU gegen den erklärten Willen der Direktion. Dass auch Frauen Abteilungs- leitungspositionen der Besoldungsgruppe A15 an der Universitätsbibliothek Mün- chen erreichen konnten, blieb dem letzten Jahr des vergangenen Jahrhunderts vorbehalten; auch darin manifestiert sich nicht zuletzt im bundesweiten Vergleich der Charakter der UB München als verspäteter Bibliothek.17 Mit Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich das Bild der Personalstruktur an der Uni- versitätsbibliothek München innerhalb weniger Jahre vollständig gewandelt. Der Frauenanteil im hD-Kollegium beträgt 50%, mehr als die Hälfte der Bibliothekare im höheren Dienst hat die Ausbildung außerhalb des Freistaates abgelegt. Die Gruppe der in Bayern geborenen Kolleginnen und Kollegen beträgt nur noch ein Viertel, von denen aber die Mehrheit – Ironie des Lebenswegs – ihr Referendariat im benachbarten Hessen und Baden-Württemberg absolviert hat. Etwas mehr als die Hälfte schloss das Studium noch mit einer Promotion ab; die Fächervielfalt hat erheblich zugenommen. Seit 2008 steht der Universitätsbibliothek ein promo- vierter Wirtschaftswissenschaftler vor, der – abgesehen vom bereits geschilderten Ausnahmefall des Direktors Joachim Kirchner in der NS-Zeit – zum ersten Mal in der langen Geschichte der Universitätsbibliothek München seine berufliche So- zialisation außerhalb Bayerns erhielt. Einen Altphilologen hat die UB München noch, der Latein und über ein paar Semester hinweg auch Griechisch im Zweit- fach studiert hat – es ist der Autor dieses kleinen Beitrags, der als gebürtiger Bayer 16 UB München, 4° Cod. ms. 1182c(58 . UB München, 4° Cod. ms. 996(3h (Personal der UB München, T-Z): Eintrag zu Margarete Zuber. 17 Passera, Frauen im wissenschaftlichen Bibliotheksdienst, S. 319.
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