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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 44.2010 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 44. Jg. (2010), H. 11 1033 Themen Das Renovierungsprojekt der Biblioth?que Nationale et Universitaire in Straßburg Gernot U. Gabel Anfang Oktober 2010 schloss das Hauptgebäude der Straßburger Universitätsbib- liothek für drei Jahre seine Tore. Der mehr als einhundert Jahre alte Baukörper, der den Serviceanforderungen seiner Benutzer längst nicht mehr gewachsen war, soll zu einem modernen Kommunikationszentrum umgebaut werden. Historischer Rückblick Am Anfang ihrer fast 140-jährigen Geschichte stand ein Fanal: Die Straßbur- ger Stadtbibliothek fiel bei der Belagerung im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 einem Artilleriebeschuss zum Opfer und verbrannte mit ihren rund 300.000 Bänden. Nachdem das Elsass im Friedensvertrag von 1871 an das Deut- sche Reich gefallen war, wurde als Wiedergutmachung die Gründung einer nach deutschem Vorbild konzipierten Forschungsbibliothek beschlossen, die den Na- men „Kaiserliche Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg“ erhielt. Auf- grund der vielen Buchgeschenke, die im Rahmen einer breiten Solidaritätsaktion in der Stadt eintrafen (allein die UB Königsberg schickte rund 40.000 Dubletten, etwa 4.000 Bände stammten aus der persönlichen Kollektion Kaiser Wilhelms I.), konnte die neue Bibliothek mit einem Grundbestand von ca. 220.000 Bänden ihr provisorisches Domizil im Palais Rohan beziehen. 1880 nahm sie unter den wis- senschaftlichen Bibliotheken Deutschlands bereits den vierten Rang ein. Der im italienischen Renaissancestil errichtete und mit einer Kuppel überdachte Neubau mit acht Magazinebenen (Architekten: August Hartel und Skojld Neckelmann) wurde dann 1895 eingeweiht. Als das Elsass nach dem Waffenstillstand von 1918 wieder Frankreich angegliedert wurde, erfolgte die administrative Umgestaltung zu einer Hochschulbibliothek nun nach französischem Vorbild. Aufgrund ihrer umfangreichen Kollektion (ca. 1,1 Millionen Bände), insbesondere deutsche Literaturressourcen, fiel ihr eine Mittler- rolle zwischen den beiden Nationen zu. In Anerkennung dieser Sonderstellung verlieh ihr die französische Regierung 1926 die einmalige Bezeichnung „Biblio- th?que Nationale et Universitaire“ (BNU). In der Schlussphase des Zweiten Welt- kriegs trafen den Bau mehrere Bomben, etwa 300.000 Bände fielen ihnen zum Opfer. Im Rahmen der aus Mitteln der Kriegsentschädigung finanzierten Moderni- sierung des Gebäudes (Architekt François-Gustave Herrenschmidt) entfernte man die für die deutsche Zeit charakteristischen neugriechischen und neoklassizisti- schen Stilelemente der Innenausstattung. Schon zu Beginn der 1950er Jahre war
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