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Volume Heft 8/9

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Themen Informationsvermittlung 904 Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 8/9 Forschungs-Praxis-Lücken in Medizin, Informatik und Wissensmanagement Ausgang evidenzbasierter Praktiken ist die Medizin. Durch die Cochrane Library werden praktizierenden Ärzten Leitfäden an die Hand gegeben, aktuelle wis- senschaftliche Erkenntnisse in ihrer klinischen Praxis einzusetzen. Der Weg von der Grundlagenforschung bis hin in die alltägliche klinische Praxis beträgt im Schnitt 17 Jahre (Institute of Medicine, 2001). Entsprechend werden die Leitfäden von einigen enthusiastisch begrüßt, von anderen allerdings abgelehnt. Passt ein konkreter Leitfaden in den eingespielten Arbeitsablauf einer Institution – so Pru- dence Dalrymple (College of Information Science & Technology, Drexel University, Philadelphia, USA) –, wird er angewandt, muss jedoch der Workflow überdacht werden, gibt es Barrieren gegen die Einführung. Die zentrale Quelle für medizi- nische Fachinformation ist Medline. Karen Davies (Loughborough University, UK) berichtet über eine Befragung von Ärzten in Großbritannien nach ihrem Suchver- halten. Etwa ein Drittel der Befragten führt Literaturrecherchen zwischen ein- und zehnmal in der Woche durch. Bevorzugte Recherchestrategie ist die Stichwort- suche. Immerhin die Hälfte der Ärzte setzt den Booleschen UND-Operator ein, während das kontrollierte Vokabular (MeSH Headings) nur von einem Viertel der Rechercheure benutzt wird. Die Ärzte sind gemäß Davies durchaus willens, mit- tels technischer Werkzeuge ihre Evidenzbasis zu erweitern, es fehlt ihnen aber an elaborierten Suchkenntnissen, so dass die meisten Mediziner ihrer Meinung nach viel zu wenig recherchieren. An einem Krankenhaus in Norwegen ist es üblich, dass die Organisation selbst Leitfäden für ihr Haus kreiert. Die Suchkenntnisse der Klinikärzte sind jedoch so schwach ausgeprägt, berichtet Endre Aas (Innlandet Hospital Trust, Norwegen), dass Bibliothekare alle jene Recherchen überprüfen, die in einen im Hospital eingesetzten Leitfaden einfließen sollen. Die schwache Informationskompetenz ist allerdings nicht nur bei Ärzten anzutreffen, sondern ist breit über alle Forschungsbereiche gestreut. „Mind the information-related skills gap of researchers!“, rät Aaron Griffith (Research Information Network, UK). Nicht nur Ärzte recherchieren medizinische Fachinformationen, sondern auch Pa- tienten. Deren Informationsverhalten hat Maude Frances (University of New South Wales, Australien) analysiert. Patienten suchen nach Evidenz zu ihrer Krankheit und versuchen, die recherchierten Quellen kritisch zu würdigen. Frances ermittelt zwei unterschiedliche Verhaltensmuster: Ein Teil der Endnutzer sucht Hilfe bei of- fiziellen Webseiten staatlicher Institutionen, ein anderer Teil tauscht sich interak- tiv mit anderen Patienten (mit derselben Krankheit) über Chats oder Online-Foren aus. Vermittelt über Bibliothekare an Krankenhäusern und medizinischen Universitä- ten (die dort mit der evidenzbasierten Medizin vertraut sind), findet die Evidenz- basierung in das Bibliothekswesen Eingang. Von dort aus ist das Konzept bereits weitergetragen worden, beispielsweise in die Informatik und ins Wissensmanage-
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