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Volume Heft 7

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Themen Erschließung 728 Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 7 und amerikanischen Katalogen kommt man nur mit Stichwörtern aus der Anset- zungsform zum Erfolg.28 Selbst bei der British Library geht die Suche ins Leere, wenn man mit ‚incunables‘ anstatt mit ‚incunabula‘ sucht!29 Das Phänomen ist leider wohlbekannt und tritt in gleicher Weise z.B. bei Namen von Verfassern auf. Der Grund dafür ist im angloamerikanischen Datenmodell zu suchen: In den Titel- datensätzen werden Ansetzungsformen aller Art (z.B. Namen von Verfassern, aber eben auch Schlagwortstrings) als bloßer Text erfasst. Bei der Stichwortindexie- rung steht folglich auch nur dieser Text zur Verfügung. Im Gegensatz dazu wird im deutschen Datenmodell in die entsprechenden Kategorien kein Text eingetragen, sondern die Identnummer eines anderen Datensatzes – des sogenannten Stamm- datensatzes, der die jeweilige Person, das Schlagwort etc. repräsentiert. Dieser Stammdatensatz enthält nicht nur die Ansetzungsform, sondern auch alle Verwei- sungsformen. Aufgrund der Verknüpfung zwischen Titel- und Stammdatensätzen kann bei der Indexierung folglich auf alle Varianten zugegriffen werden. Es macht deshalb in deutschen Katalogen keinen Unterschied, ob mit einem Stichwort aus der Ansetzungsform oder aus einer Verweisungsform gesucht wird. Will man dasselbe in einem angloamerikanischen Katalog erreichen, so muss ein zusätzliches Verfahren angewendet werden, das die in den Titeldatensätzen abgelegten Ansetzungsformen mit der Normdatei – die auch die Verweisungs- formen enthält – abgleicht. Eine Analyse von fünf Bibliothekssystemen (Aleph500, AMICUS, Millenium, Unicorn und Voyager) im Jahr 2004 ergab, dass damals kein einziges davon Verweisungsformen für Stichwortrecherchen nutzbar machte.30 Wie die oben angesprochenen Stichproben zeigen, scheint sich die Situation in den vergangenen fünf Jahren kaum verbessert zu haben. Als erfreuliche Ausnah- men seien die Library of Congress und die Newcastle University Library genannt: In beiden Katalogen kommt man auch mit der Suchanfrage ‚incunables‘ an die mit dem LCSH-String ‚Incunabula‘ versehenen Treffer. Freilich ist auch diese Methode machtlos, wenn überhaupt keine Verweisung vor- handen ist. Dies betrifft, wie bereits dargelegt, sowohl Fälle vom Typ ‚Music in in- cunabula‘ als auch sämtliche Fälle, bei denen ‚frei schwebende‘ Unterschlagwör- ter verwendet werden, z.B. ‚Incunabula–Germany–Bibliography‘ – denn für diese 28 So z.B. in den Katalogen der Oxford University Libraries, der Cambridge University Library, der Edinburgh University Libraries, der University of Nottingham, der University of Leicester, der Stanford University Library, der Yale University Library, der Cornell University Library und der University of Kentucky Libraries. 29 Bei der Suche mit ‚incunabula‘ erhält man derzeit über 600 Treffer, mit ‚incunables‘ nur 5. 30 Vgl. David Miller, Tony Olson und Sara Shatford Layne: Promoting research and best practices in subject reference structures : a decade of work by the Subject Analysis Committee. In: Library resources & technical services 49 (2005), H. 3, S. 154–166, hier S. 158.
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