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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue43.2009 (Rights reserved)

Beruf Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 393 allem praxisbezogenere Struktur der Ausbildung im höheren Dienst.33 Auf Bitten Joachim Wieders sollte nun Buzás auf einem von Norbert Fischer initiierten Dis- kussionsabend in der Bibliothek des Deutschen Patentamtes in München seine Sicht der Berufssorgen vortragen. So brachte er eine erste Rohfassung zu Papier, die er ausschließlich Wieder auf dessen Wunsch hin zum vertraulichen und per- sönlichen Gebrauch zur Verfügung stellte. Auf dem Diskussionsabend im Oktober 1959 kam es jedoch zum Eklat: Joachim Wieder hatte das Buzás’sche Manuskript weitergereicht. Kaum hatte die Abend- gesellschaft Platz genommen, erhob sich Martin Müllerott von der BSB München, der später an die neugegründete UB Regensburg wechseln sollte, und attackierte frontal den zunächst völlig konsternierten Buzás. Ihm liege in maschinenschrift- licher Form sein Angriff auf den Aufsatz Wieders vor, der weder von Verständnis für den Beruf noch von Sachkenntnis zeuge. Diese Indiskretion Joachim Wieders zählte Buzás in der Rückschau zu den größten menschlichen Enttäuschungen sei- nes Berufslebens.34 Die tiefe Kränkung entging den Münchner Kollegen freilich nicht. So baten ihn die bereits pensionierten Bibliothekare Theodor Ostermann und Albert Hartmann, seine Stellungnahme in überarbeiteter und erweiterter Form ebenfalls in Libri zu veröffentlichen. Aufgrund ihrer Verbindungen zu Georg Leyh gelangte die wesentlich veränderte Fassung, in die Buzás bewusst überspitzt ironische Formulierungen einfließen ließ, Ende April 1960 zum Herausgeber des Organs, Svend Dahl in Kopenhagen. Nach dem Eklat im Patentamt und der Veröffentlichung der Buzás’schen Replik herrschte zwischen den beiden ehemaligen Kurskollegen fast zehn Jahre lang Funkstille. Nachdem sie die Leitungen der beiden großen Münchner Hochschul- bibliotheken übernommen hatten, begegneten sie sich erst auf der Bayerischen Direktorenkonferenz wieder und tauschten gelegentlich Höflichkeiten unterein- ander aus. Über ihre Kontroverse und deren Begleitumstände verloren sie unter- einander bis zum Tod Joachim Wieders 1992 kein einziges Wort mehr. Grundsätzlich anderer Natur war die Beziehung zwischen Ladislaus Buzás und Theodor Kiener, wiewohl sie eine Gemeinsamkeit teilten: Bei beiden ging die Verbindung zur UB München in die NS-Zeit zurück. Während seiner Zeit als For- schungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung in München war der Promotionsstudent Buzás als wissenschaftlicher Volontär im Sommer und Herbst 1940 an der Universitätsbibliothek tätig. Mit einem Bibliographieprojekt zu den Veröffentlichungen der Universität München zwischen 1826 und 1885 betraute der damalige Direktor der UB München, Joachim Kirchner, im Sommer 1942 den 33 UB München, 4° Cod. ms. 996(27#18: Ladislaus Buzás, Vorschläge für die Verbesserung der Ausbildung. München 01. 03. 1953. 34 UB München, NL Ladislaus Buzás <14>: l, 3 (Dokumente 1947–1965), 10 (1954–1965). Wie kam es zur Kontroverse Wieder-Buzás?, S. 4.
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