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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Beruf Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 391 die Streithähne von der Isar ausgerechnet in einer internationalen Fachzeitschrift um die Ohren schlugen. Die Unterlagen aus dem an der Universitätsbibliothek München verwahrten Nachlass von Ladislaus Buzás und das UB-Verwaltungsre- gistraturgut eröffnen eine andere Dimension der Kontroverse, die der zwischen- menschlichen Tragik nicht entbehrt. Die „München Connection“ oder Vier Streithähne unter sich Der in Ungarn als Sohn einer deutschen Familie 1915 geborene Ladislaus Buzás25 und der aus dem schlesischen Marklissa stammende Joachim Wieder26 absol- vierten gemeinsam ihre bibliothekarische Ausbildung in dem von Rupert Hacker als „Geniekurs“27 apostrophierten Referendarsjahrgang 1950/52, dem auch Frido- lin Dreßler, Max Pauer und Bernhard Sinogowitz angehörten. Die divergierenden Berufsinteressen manifestierten sich schon in der Ausbildungszeit. Joachim Wieder, Jahrgang 1912, zutiefst geprägt, wenn nicht gar traumatisiert von seiner Kriegserfahrung als Ordonnanzoffizier im Kessel von Stalingrad und von seiner über siebenjährigen Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion,28 fand mit seiner breiten Allgemeinbildung und versierten Eloquenz rasch Gefallen an publikums- wirksamen Tätigkeiten. So wurde der Spätheimkehrer bereits als Referendar zu Bi- bliotheksführungen an der BSB München herangezogen und versah gelegentlich den Auskunftsdienst im Katalogsaal; unter seinen Kurskollegen brachte ihm dies den Spitznamen J. W. Cicerone ein.29 Ladislaus Buzás wiederum, dessen Interesse nicht zuletzt den Katalogarbeiten galt, konnte einer auf Außenwirkung bedachten bibliothekarischen Tätigkeit wenig abgewinnen. Der von ihm kolportierte Satz Joachim Wieders, demzufolge „das Blödeste an der ganzen Bibliotheksarbeit“ das 25 Günter Heischmann, Ladislaus Buzás 1915–1997. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 45 (1998), S. 355–356. Fritz Junginger, Ladislaus Buzás †. In: Bibliotheksforum Bayern 25 (1997), S. 312–314. 26 Günter Pflug, Joachim Wieder 1912–1992. In: Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie 40 (1993), S. 241–242. Horst Werner, Joachim Wieder †. In: Bibliotheksfo- rum Bayern 21 (1993), S. 88–89. 27 Rupert Hacker, Die bibliothekarische Ausbildung in Bayern 1946–1988. In: Paul Niewalda (Hrsg.), Bibliothekslandschaft Bayern. Festschrift für Max Pauer zum 65. Geburtstag. Wiesbaden 1989, S. 201. 28 Joachim Wieder, Die Tragödie von Stalingrad. Erinnerungen eines Überlebenden. Deggendorf 1955. Joachim Wieder, Stalingrad und die Verantwortung des Soldaten. München 1962. Sein Werk von 1962 wurde in acht Sprachen übersetzt. 29 UB München, 4° Cod. ms. 996(27#17: F[ridolin] K. Dreßler-Bamberg u. L[adislaus] Buzás (Hrsg.), Sinogo-Fitziana. Eine Festschrift aus Anlass des Bibliotheksexamens 1952 (Gerüchte für wissenschaftliche Bibliotheken; 1). München 1952, [S. 2].
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