Path:
Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue43.2009 (Rights reserved)

Themen Beruf 388 Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 wer sich ihr nicht verschreiben wolle, solle am besten „gleich die Finger von die- sem Beruf lassen.“ Kurzum: Von einer Krise des deutschen Bibliothekswesens, die Wieder mit einer undeutlichen Terminologie der heutigen Kulturkritik und -philo- sophie anhand einiger relativ unbedeutsamer Nebenerscheinungen herauszule- sen glaube, könne nicht die Rede sein. Wieders „Alarmruf vor dem Untergang“ sei somit deplaziert, „denn gerade solche in schwimmende Begriffe gehüllten Dar- stellungen lassen die Probleme viel bedeutungsvoller erscheinen, als sie in Wirk- lichkeit sind, wenn nicht überhaupt erst diese Denkweise sie entstehen lässt.“ 13 Nachdem Buzás den kulturpessimistischen Höhenkammbeitrag Wieders aus der Perspektive des in den Niederungen des Bibliotheksalltags beheimateten Prakti- kers zerpflückt hatte, ließ die Resonanz auf seine stellenweise harsche Kritik nicht lange auf sich warten. Sie kam zunächst in Gestalt einer Gegenpolemik seines Münchner UB-Kollegen Theodor Kiener,14 der ein nicht minder geharnischter Bei- trag von Kurt Ohly folgen sollte.15 Kiener sprach zu Beginn seiner Philippika gegen Buzás ihm die Legitimation ab, den Standpunkt der Münchner Bibliothekare oder gar der UB München in der Auseinandersetzung mit Wieder vertreten zu können; allerdings ging diese Pfeilspitze völlig ins Leere, da sich Buzás eine derartige Po- sition in seinem Beitrag gar nicht angemaßt hatte. Des weiteren warf er ihm vor, das „freie Wort“ in einer internationalen Fachzeitschrift missbraucht zu haben, und zog Buzás’ Kompetenz in Zweifel, zu sachgerechten „Urteilen über das Wesen bibliothekarischer Tätigkeit, die heutige Funktion der Bibliotheken und neue Or- ganisationsformen“ überhaupt gelangen zu können. Schließlich nahm Kiener die Gedankenführung Wieders erneut auf und stellte heraus, dass der Bibliothekar seine Raison d’?tre aus der Überlieferung und der inneren Haltung beziehe. Sei- ne Existenz als Kultur- und Bildungsträger sowie Verteidiger der Humanität seien elementare Bausteine für das Berufsethos. Die innere Gefährdung der bibliothe- karischen Arbeit erblickte Kiener vor allem in der neutralisierenden Entwertung der Bibliotheksarbeit zur indifferenten Büroarbeit. Folglich rede Buzás einer Elimi- nierung der geisten Lebenswelt des Bibliothekars „zugunsten einer berufsfernen Doktrin autoritär gesteuerter formaler Arbeitsleistung“ das Wort. Was Buzás aus einer utilitaristischen Gesinnung heraus proklamiere, bedeute am Ende nur die Enthumanisierung des Berufes und die Preisgabe des Berufsethos.16 Der bereits pensionierte Inkunabelspezialist Kurt Ohly stellte seine Kritik an den Buzás’schen Ausführungen in einen erheblich größeren Kontext, indem er die vorgeblich grundlegenden Berufsfragen mit einem umfangreicheren histo- 13 Buzás, Berufssorgen, S. 81, 85, 89–91 u. 94 f.. 14 Theodor Kiener, Berufsethos und Berufsfunktion. In: Libri 11 (1961), S. 49–56. 15 Kurt Ohly, Die Kontroverse Wieder-Buzás im Spiegel der deutschen Bibliotheks- geschichte. In: Libri 12 (1962), S. 25–50. 16 Kiener, Berufsethos, S. 49 f., 53 u. 55.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.