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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Beruf Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 387 mano Guardini wandten sich 1956 gegen die „Diktatur des Lärms“, durch die dem menschlichen Dasein die lebensnotwendige Stille verloren zu gehen drohe.9 Joachim Wieders Aufsatz, der dazu angeraten sei, „de dénoncer un malaise qui atteint la profession de bibliothécaire dans notre monde contemporain“10, stieß bei ausländischen Kollegen auf ein weitgehend positives Echo.11 An Wieders „Spengler-Pose“12 mit seinem stellenweise den Untergang der abendländischen Kultur beschwörenden Bocksgesang nahm gleichwohl Ladislaus Buzás Anstoß. In seiner Replik attestierte er seinem Kollegen, „einer Psychose der modernen Kul- turhysteriker“ zu unterliegen; denn „die Angstmacherei vor der entgeistigenden Wirkung der Technik gehört heute ebenso zum ständigen Repertoire der allzu zahlreichen pessimistischen Kulturphilosophen wie das oben erwähnte Zer- schreiben des Humanismus.“ Ferner sollten sich die Bibliothekare nicht den Blick auf das Wesentliche durch das Zerrbild einiger unfähiger oder gar bildungsfeind- licher Standesgenossen trüben lassen, „die ihre Unfähigkeit auf dem Gebiet des Geistes durch die Betonung des Verwaltungsbibliothekars oder durch Manager- manieren verschleiern.“ Die einzige Aufgabe der wissenschaftlichen Bibliotheken sei es, Benutzern die von ihnen gewünschte Literatur zur Verfügung zu stellen, und für einen Bibliotheksbenutzer sei es ganz gleichgültig, ob er sein Buch von einem harmonisch gebildeten Zeitgenossen oder von einem seelisch wie geistig unausgeglichenen Vielwisser ausgewählt und überreicht bekomme. Ferner seien die Begabungen, Neigungen und Arbeitsverhältnisse in den einzelnen Institutio- nen so verschieden verteilt, dass ein Zwang zu wissenschaftlichen und publizis- tischen Aktivitäten eher zum Misserfolg, als zur angeblich notwendigen Neube- lebung des Berufsstandes führen werde. In der Befreiung der Bibliothekare vom Zwang der fachwissenschaftlichen Produktivität sah Buzás gerade die Stärke des Berufsbibliothekars, denn einen „Jagdhund, den man zur Jagd hintragen muss, wird kein Wild erjagen.“ Überdies sei allen Bibliothekaren, die über Geistlosigkeit, Bürokratisierung, Mechanisierung, den übermächtigen Apparat und die abstump- fende Alltagsarbeit klagen, ins Stammbuch geschrieben, dass das Kernwesen der bibliothekarischen Tätigkeit vorrangig in der peinlich genauen Kleinarbeit liege; 9 Hans Sedlmayr, Verlust der Mitte. Die bildende Kunst des 19. und 20. Jahrunderts als Symbol der Zeit. Salzburg 1948. Romano Guardini u. Eduard Spranger, Vom stilleren Leben (Weltbild und Erziehung; 16). Würzburg 1956, S. 16 f. u. 54. 10 Jacques Leth?ve, Aperçu sur la situation du bibliothécaire scientifique. In: Libri 10 (1960), S. 46. 11 Francesco Barberi, A Courageous Admonition. In: Libri 10 (1960), S. 135 Ludwig- Maximilians-Universität 140. Leendert Brummel, En marge de l’article de M. Wieder. In: Libri 10 (1960), S. 43–46. Maurice Piquard, Autour de l’activité professionnelle du bibliothécaire. In: Libri 10 (1960), S. 40 Ludwig-Maximilians-Universität 42. 12 Pape, Der wissenschaftliche Bibliothekar, S. 155.
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