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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Themen Beruf 384 Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 Die Wieder-Buzás-Kontroverse 1959 bis 1962. Ein Blick hinter die Kulissen einer Berufsbilddiskussion der späten Nachkriegszeit1 Sven Kuttner Der bibliothekarische Diskurs der gut letzten 100 Jahre kennt so manchen roten Faden in seiner Kontinuität; einer der dauerhaftesten Diskursfäden dürfte die Auseinandersetzung um das bibliothekarische Berufsbild und Selbstverständnis sein, in deren Schlepptau auch immer Ausbildungsfragen und -inhalte zur Debat- te standen. Die oftmals mit handfester Polemik geführten Kontroversen, denen durchweg eine vorgebliche Krisenhaftigkeit des bibliothekarischen Berufes oder ein scheinbarer Scheideweg mit apokalyptischer Endzeitstimmung geradezu zwanghaft zugrunde liegen mussten, kennzeichnete ein fast hostiler Manichäis- mus, der bei dem ansonsten für seine innere Konsens- und Harmoniebedürftig- keit bekannten Berufsstand der deutschen Bibliothekare aus dem Rahmen fiel. Zumeist gab es in der Diskussion um die Verortung des Berufes nur Schwarz oder Weiß, Top oder Flop, Dafür oder Dagegen, ein Reich des Lichts, dessen Heerführer die alleinseligmachende Weisheit gepachtet zu haben schienen, und ein Reich der Finsternis, das die auf dem Holzweg Irrlichternden heillos verschlungen hatte. Differenzierungen und rational abwägende Zwischentöne blieben die nicht sel- ten unbeachtete Ausnahme. Der zu Beginn der 1960er Jahre entbrannte Meinungsstreit, der auf zwei kon- troverse Beiträge von Joachim Wieder2 und Ladislaus Buzás3 zurückging, fiel in diesem Kontext nicht aus dem üblichen Rahmen der bibliothekarischen Streitkul- tur um die berufliche Selbstverortung. Seine tieferen Ursachen gründeten in der strukturellen Erneuerung der wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Zusam- menbruch 1945. Der Wiederauf- und Ausbau des deutschen Bibliothekswesens in der Bundesrepublik, der sich parallel zum westdeutschen „Wirtschaftswunder“ entwickelte, zog relativ rasch einschneidende Veränderungen in der Arbeitssitu- ation der Bibliotheken nach sich. Dieser grundlegende Wandlungsprozess, der nicht zuletzt das Spannungsverhältnis von „Gelehrtenbibliothekar“ und „Dienst- leistungsbibliothekar“ berührte, warf unter veränderten Rahmenbedingungen Fragen nach der Zukunft des bibliothekarischen Berufes und der Ausbildung auf. Geistig gefangen in einer längst überholten Bildungswelt, versunken in biblio- 1 Für Almut Tietze-Netolitzky zum 65. Geburtstag 2 Joachim Wieder, Berufssorgen des wissenschaftlichen Bibliothekars. In: Libri 9 (1959), S. 132–165. 3 Ladislaus Buzás, Berufssorgen des wissenschaftlichen Bibliothekars. Ein Diskussions- beitrag. In: Libri 10 (1960), S. 81–104.
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