Path:
Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 379 Obgleich Hoover sein persönliches Aktionsfeld 1920 auf das politische Terrain Amerikas verlagert hatte und ab 1921 im Kabinett von US-Präsident Harding als Handelsminister amtierte (seine Amtszeit dauerte bis 1928, und anschließend gewann er als Kandidat der Republikanischen Partei den Präsidentschaftswahl- kampf und zog für vier Jahre (1929–33) als 31. US-Präsident ins Weiße Haus ein), in- vestierte er Tausende von Dollars aus seiner Privatschatulle, um über Mittelsmän- ner eine Flut von Büchern, Periodika und Archivalien nach Stanford zu schaffen. Insbesondere aus Russland, das in die Hilfsmaßnahmen einbezogen worden war, kamen mehr als 25.000 Bücher und 60.000 Regierungsveröffentlichungen über das Ende des Zarenregimes, die Oktoberrevolution und den Bürgerkrieg. Da die Sammlung inzwischen den von der UB Stanford vorgesehenen Rahmen spreng- te, kam es 1922 zur Gründung der „Hoover War Library“ als von der Universität unabhängiger Institution auf dem Stanford-Campus. Für die Materialien räum- te man einen Flügel in der UB frei, und bereits 1926 war sie die weltweit größte Sammlung zum Ersten Weltkrieg und die durch ihn verursachten Umwälzungen in Wirtschaft und Gesellschaft. In seiner Amtszeit als Handelsminister wies Hoover die Attachees an den Bot- schaften und Konsulaten der USA an, in ihren Ländern relevante Materialien zu sammeln und sie über diplomatische Kanäle nach Stanford zu verschiffen. Außer- dem sandte er einige Mitarbeiter auf Akquisitionstouren nach Südamerika und Europa, und so kam eine stetige Flut von Publikationen und Archivalien in die Stanforder UB, die bald über Raumprobleme zu klagen begann. Außerdem er- gaben sich Auseinandersetzungen mit der Bibliotheksleitung, denn diese wollte sowohl die Zahl der Bücher und Zeitschriften sowie das Kleinschrifttum begrenz- en und die Flut der Dokumente eindämmen; andererseits erkannte sie das For- schungspotential der Kollektion und wollte sie in den eigenen Bestand integrie- ren. Hoover hingegen bestand auf einer breit angelegten Sammeltätigkeit und auf der Unabhängigkeit seiner Kollektion innerhalb des universitären Bibliotheks- systems. Auch in finanzieller Hinsicht ergaben sich Eifersüchteleien, denn Hoover vermochte pro Jahr erhebliche Spendengelder einzuwerben, die das Jahresbud- get der UB regelmäßig überstiegen. Die Bibliothek Bereits 1925 hatte Hoover bei privaten Sponsoren um Gelder für einen Bibliotheks- bau angefragt, aber seine Aufgaben als Minister und dann als Präsident ließen es nur in begrenztem Rahmen zu, sich persönlich für sein Projekt einzusetzen. Erst als Hoover den Wahlkampf gegen Franklin D. Roosevelt verlor und nach vierjäh- riger Amtszeit 1933 das Weiße Haus verließ, um als Privatperson nach Kalifornien zurückzukehren, rückte die „War Library“ wieder in den Mittelpunkt seiner Tätig- keit. Die Weltwirtschaftskrise, der er als Präsident zunächst nur Bedeutung für Eu-
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.