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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Themen Ausland 378 Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 Monate hatte das Komitee große Summen an Spendengeldern eingesammelt und damit Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt erworben, Schiffe gechartert, den Eisenbahntransport organisiert und Lagerhäuser angemietet. Erstaunlicherweise vermochte Hoover die Zustimmung aller kriegführenden Parteien für diese Akti- on zu erreichen und so viele Menschen in Belgien und Nordfrankreich vor Hunger und Not zu bewahren. Im Verlauf der schließlich fünf Jahre währenden Operation (1914–1919) wurden Hilfsgüter im Wert von rund 1,1 Milliarden Dollar (!) an Hilfs- bedürftige verteilt. Als die USA im Frühjahr 1917 auf Seiten der Alliierten in den Krieg eintraten, kehr- te Hoover nach Amerika zurück und wurde von US-Präsident Woodrow Wilson zum Leiter der nationalen Nahrungsmittelagentur berufen, die eine gerechte Ver- teilung von Lebensmitteln sicherstellen und die Spekulation unterbinden sollte. Nach dem Waffenstillstand im November 1918, als die schwierige Versorgungs- situation in allen vom Krieg gezeichneten Nationen Europas offensichtlich war, kehrte Hoover nach Europa zurück und schuf die „American Relief Administra- tion“ (ARA), die in den folgenden Monaten Hilfslieferungen für 23 europäische Staaten organisierte. Hoover persönlich kümmerte sich besonders um den „Euro- pean Children’s Fund“, der schließlich mehr als 6 Millionen Kinder in ganz Europa mit Lebensmitteln, Kleidung und Medikamenten versorgte. Erst im Herbst 1923, als die schlimmsten Versorgungsengpässe beseitigt waren, stellte die ARA ihre humanitäre Aktion ein. Beginn der Sammeltätigkeit Die persönlichen Erfahrungen mit dem Leid unzähliger Menschen, die von den Er- eignissen des Ersten Weltkriegs aus ihren Lebensbahnen geworfen und auf die Hil- fe ihrer Mitmenschen angewiesen waren, ließen in Hoover den Plan reifen, die Er- eignisse des „Great War“ in allen Facetten zu dokumentieren, damit nachfolgende Generationen Lehren aus diesem Desaster ziehen könnten. Ab 1914 sporadisch und seit 1918 systematisch begann Hoover Bücher, Broschüren, Flugblätter und andere Ephemera zu sammeln, indem er überall, wo die ARA aktiv war, Zeugnisse der Kriegszeit aufbewahren und in die USA schaffen ließ. Außerdem finanzierte er aus Privatmitteln die Reise eines Historikers der Stanford University nach Paris, der dort Studierende und Wissenschaftler anwarb und sie nach Ende der Kampfhand- lungen in die Staaten Europas sandte, um dort Kriegsdokumente sowie Zeugnisse der Revolutionen jener Jahre zusammenzutragen. Die von Regierungen, privaten Organisationen und Einzelpersonen zur Verfügung gestellten Materialien – dank der Hilfsmaßnahmen öffneten sich Hoovers Abgesandten viele Türen – bildeten 1919 den Grundstock für Hoovers „War Collection“, die 1921 bereits ca. 80.000 Ein- zelstücke umfasste und zunächst in der Bibliothek der Stanford University in Palo Alto (Kalifornien) eingelagert wurde.
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