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Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue43.2009 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 4 377 Themen Die Bibliothek der „Hoover Institution“ an der Stanford University Gernot U. Gabel In Amerikas Bundeshauptstadt Washington sehen sich einflussreiche Politiker täglich von Interessenvertretern bedrängt, die ihnen die Ansichten von Verbän- den und Institutionen zu vermitteln suchen. Als eine der einflussreichsten Lob- by-Einrichtungen („think tanks“) des Landes gilt die „Hoover Institution on War, Revolution, and Peace“, die vor 90 Jahren gegründet wurde, allerdings mit völlig anderer Zielrichtung. Der Stifter Herbert Clark Hoover (1874–1964) wuchs in einer Quäker-Familie auf (diese Religi- onsgemeinschaft ist u.a. für ihre strikte Ablehnung des Militärdienstes bekannt) und gehörte zum ersten Studienjahrgang der 1891 gegründeten Stanford Uni- versity, wo er 1895 ein Diplom im Fach Geologie erwarb. Anschließend arbeitete Hoover für Bergbauunternehmen in aller Welt, bis er 1907 seine eigene Ingeni- eurfirma gründete. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war sein Unternehmen in Amerika, Südasien, Russland und Australien tätig und beschäftigte bis zu 170.000 Mitarbeiter. Da die Weltwirtschaft damals eine Boomphase durchlief und das Bergbaugeschäft äußerst rentabel war, kam der Firmenchef innerhalb eines Jahr- zehnts zu einem Millionenvermögen. Im Frühjahr 1914 reiste Hoover nach Europa, um Regierungen und Unternehmer in England, Frankreich und Deutschland für die Teilnahme an einer Ausstellung über den gerade fertiggestellten Panama-Kanal zu interessieren. Als im Septem- ber 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, hielt sich Hoover zufällig in London auf. Viele amerikanische Staatsbürger, die Europa als Touristen oder Geschäftsleute bereisten, wurden von den kriegerischen Ereignissen überrascht, und Hoover erklärte sich sofort bereit, bei deren Repatriierung mit Geld auszuhelfen. Das von Hoover gegründete Hilfskomitee, großzügig unterstützt durch Spenden aus Amerika, mietete Hotels an und charterte Schiffe und konnte schließlich ca. 120.000 Landsleuten die Heimreise ermöglichen. Obgleich noch mit dieser Ak- tion beschäftigt, sah sich Hoover im Herbst 1914 veranlasst, auch noch auf ein Hilfsgesuch der Bürger Brüssels zu reagieren. Die Alliierten hatten nämlich eine Blockade der Schiffslinien nach Deutschland und Belgien verhängt, und da sich die deutschen Besatzungstruppen weigerten, Lebensmittel für Belgier bereitzu- stellen, gründete Hoover die „American Commission for Relief in Belgium“, wel- che die Finanzierung und Verteilung der Rationen übernahm. Innerhalb weniger
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