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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Bestandserhaltung Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 2 123 Warum ist Massenentsäuerung notwendig? Verantwortlich dafür ist der bekann- te säureinduzierte Abbau der Fasersubstanz. Ziel der Massenentsäuerung ist die Neutralisierung der Säuren im Papier durch Zugabe einer alkalischen Substanz, deren Überschuss als alkalische Reserve eingelagert wird und einen Schutz für die Zukunft bieten soll. Die Herangehensweisen an Projekte der Massenentsäuerung sind sehr unter- schiedlich, aber die daraus entstandenen Probleme oft sehr ähnlich, wie die verschiedenen Erfahrungsberichte der Referenten deutlich machten: in einigen Fällen wie bei der Bibliothek des Bundesverfassungsgerichts standen ab 2002 Mittel zur Verfügung, die nicht sofort abgerufen werden konnten, weil erst eine „Gesamtschadenserhebung“ gemacht werden musste und auch klar wurde, dass ein solches Vorhaben nicht aus der Routine heraus zu bewältigen ist, sondern zusätzliche Personalmittel erfordert. Letztlich konnte durch die Einstellung einer Restauratorin mittels Stichproben eine Schadensanalyse durchgeführt werden, nachdem die Parameter der Prioritäten und der Dringlichkeit festgelegt waren. Die Stichproben wurden nach einem Erfassungsschema durchgeführt, das den pH-Wert, die Festigkeit und die Art des Papiers beschreibt. Die ca. 10.000 Stich- proben aus 300.000 Bänden wurden in Schadenskategorien erfasst. Anschließend konnten die erforderlichen Mittel im Haushaltsplan festgeschrieben und Entsäue- rungsmaßnahmen durchgeführt werden. Insgesamt konnten in 9 Jahren ca. 1/10 des Bestandes (ausschließlich Monografien) behandelt werden, ohne dass dabei Zeitschriftenreihen oder andere Gruppen berücksichtigt wurden. Ein großes Au- genmerk wird deshalb, wegen der noch unbearbeiteten großen Mengen geschä- digter Materialien, auch weiterhin auf die Prävention gelegt werden müssen. Den Aktivitäten zur Massenentsäuerung für wissenschaftliche Bibliotheken in der Trägerschaft der Stadt Hamburg ging im Jahr 2006 ein Auftrag der Bürger- schaft voraus, die Bestände dieser Einrichtungen bis zum Erscheinungsjahr 1970 hinsichtlich des Schädigungsgrades zu untersuchen, eine Hierarchisierung zu de- finieren, Bestandssicherungsmaßnahmen zu beschreiben und voraussichtliche Kosten zu ermitteln. Die Ausgangssituation bot keine Sondermittel für die Analyse, die Ergebnisse sollten bis Mitte 2007 vorliegen. Insgesamt waren 41 dezentral gelegene Einrich- tungen mit 7,3 Mio. Bänden Bestand beteiligt, von denen ca. 2,5 Promille (18.500 Bände) in die Untersuchung einbezogen wurden. Es wurden drei Prüfmethoden angewandt: pH-Tester, Falztest und die optische Beurteilung des Vergilbungs- grades. Die Analyse ergab, dass insgesamt aus den Erscheinungsjahren 1840–1990 82,5% der Bestände säurehaltig sind, von 1840–1970 89%, von 1970–1990 60%; bei den Periodika sehen die Werte allgemein etwas günstiger aus als bei Monografien. Bei einem Fünftel der Bestände ist eine Entsäuerung nicht mehr möglich. Diese
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