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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue43.2009 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 1156 Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 11 Bibliotheken und Museen an der Provenienzforschung immer noch sehr gering.92 Einen Erklärungsversuch dafür liefert Bernd Reifenberg in seinem jüngsten Bei- trag zur Thematik: „Viele Projekte stehen erst am Anfang, und der Umstand, dass recherchiert, berichtet und gelegentlich auch schon restituiert wird, besagt noch nichts über die Substanz oder Dimension der einzelnen Projekte. Nach wie vor fehlt es seitens der Unterhaltsträger sowohl an Nachdruck als auch an Un- terstützung. Dass sich viele Bibliotheken bis heute in Schweigen hüllen, liegt vermutlich weniger an der mangelnden Bereitschaft, sich von bestimmten Beständen zu trennen oder ein schmähliches Kapitel der eigenen Vergangen- heit öffentlich zu machen, als vielmehr daran, dass die allgemein desolate Per- sonalsituation in Verbindung mit der fortschreitenden Ökonomisierung des Kultur- und Wissenschaftsbetriebs derart aufwendige Projekte wie die syste- matische Überprüfung von vielen tausend oder gar hunderttausend fragwür- digen Zugängen als nicht opportun erscheinen lässt.“93 Diese Feststellung trifft besonders auf die Bibliotheken mit kommunaler Träger- schaft zu, wie der Beschluss des Präsidiums des Deutschen Städtetages vom 13. Februar 2007 deutlich macht.94 Darin heißt es u.a., dass „die Verfahren zur Prove- nienzrecherche nach entzogenen Objekten in den Einrichtungen (...) vereinfacht werden“95 sollten. Zudem wurde den Mitgliedsstädten empfohlen, „im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Nachforschungen auf Grundlage vereinfachter Verfahren abzuschließen.“96 Schließlich forderte der Deutsche Städtetag den Bund und die Länder auf, „Mittel für eine vertiefte Provenienzforschung für einzelne Projekte 92 Weber, Jürgen: NS-Raubgut und hidden collections – Herausforderungen für ein neues Sammlungsmanagement. S. 175. Einen detaillierteren Überblick zum Sachstand der NS-Raubgutforschung an deutschen Bibliotheken bietet der allerdings schon aus dem Jahr 2006 stammende Aufsatz von Veronica Albrink und Bernd Reifenberg. Siehe dazu: Albrink, Veronica und Reifenberg, Bernd: Eine Umfrage unter deutschen Bibliotheken zum Thema „NS-Raubgut“, in: Dehnel, Regine (Hrsg.): Jüdischer Buchbesitz als Raubgut. Zweites Hannoversches Symposium. Im Auftrag der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz herausgegeben. Zeitschrift für Bibliothekswesen und Bibliographie. Sonderhefte. Hrsg. von Georg Ruppelt. Sonderheft 88, Frankfurt am Main 2006. S. 265–276. 93 Reifenberg, Bernd: NS-Raubgut in deutschen Bibliotheken. S. 171. 94 Vgl. dazu: Weber, Jürgen: NS-Raubgut und hidden collections – Herausforderungen für ein neues Sammlungsmanagement. S. 175f. 95 URL: http://www.staedtetag.de/10/presseecke/dst_beschluesse/artikel/2007/02/13 /00163/index.html; Stand: 24. Februar 2009. 96 Ebd.
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