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Volume Heft 1

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 43.2009 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 43. Jg. (2009), H. 1  Themen Straßburgs neue Mediathek Gernot U. Gabel Im Südosten der Straßburger Altstadt liegt ein von der Stadtverwaltung lange vernachlässigter Bezirk, der vorwiegend von Industriebauten geprägt ist und frü- her auch als sozialer Brennpunkt galt. In den letzten Jahren entstand dort im Rah- men des Stadtentwicklungsprojekts „Viaropa“ um den ehemaligen Rheinhafen ein Einkaufs-, Wohn- und Freizeitviertel, das als Verbindung zwischen historischer Innenstadt und der Peripherie fungieren und zugleich als West-Ost-Achse von Straßburg bis an die Europabrücke nach Kehl führen soll. Anziehungspunkte für diesen neuen Ballungsraum sind neben dem großen Einkaufszentrum „Rivétoile“ (28.000 qm) das sogenannte „Kulturarchipel“, das ein Musik- und Tanzzentrum, das Archiv für Stadt und Département, ein Multiplex-Kino, das Entdeckungsmuse- um „Vaisseau“ sowie eine Mediathek umfasst. Dem Pariser Architektenteam Jean-Marc Ibos und Myrto Vitart war als Gewinnern des 2003 durchgeführten Wettbewerbs die Aufgabe zugefallen, den massiven Baukörper eines ehemaligen Getreidespeichers in zwei Jahren (2006 bis 2008) zu einer Mediathek umzubauen. Das Industriedenkmal aus Beton- und Backstein musste in seiner äußeren Form erhalten bleiben, aber die Planer konnten Fens- ter in die großen Seitenflächen platzieren und die Speicheretage für eine hohe Eingangshalle aufbrechen. Auf der Ostseite verlängerten sie den Bau um eine langgestreckte Stahl-Glas-Konstruktion, so dass insgesamt ein 135 Meter langes und 32 Meter hohes Ensemble entstand. Die „Médiath?que André Malraux“ liegt parallel zum Wasserlauf auf einer Halbinsel, einst die Mole des Hafenbeckens, die nun mit vier schmalen Fußgängerbrücken mit beiden Ufern und damit zur Alt- stadt wie zum Einkaufszentrum verbunden ist. Sechs Etagen mit einer gesamten Nutzfläche von ca. 12.000 m2 laden die Benutzer der Mediathek ein. Mit diesen Dimensionen ist die neue bibliothekarische Institution, die rund 64 Millionen Euro kostete (20 Prozent steuerte das Pariser Kultusministerium bei), die größte im Os- ten Frankreichs. Als verbindendes Element durchzieht den gesamten Bau ein plakativ rotes Band, das sich, variierend von schmal bis breit, vom Eingang aus über den Boden, die Pfeiler und Wände, an der Decke und den Regalen durch das Gebäude schlän- gelt. Dadurch erhält die Raumfolge eine variationsreiche Prägung und zugleich wird die Dominanz des Sichtbetons – im Speicher hat man manche Spuren der früheren Nutzung bewusst bewahrt – etwas gemildert. Metall ist das zweite auf- fallende Gestaltungselement, von den Auskunftsschaltern und Treppen bis zu den Gitterrosten und Regalreihen. Als drittes Gestaltungsmoment platzierte man Zitate und Gedichte auf die Wände. Die Nutzflächen hinter den langen Fensterrei-
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