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Volume Heft 6

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 42.2008 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 42. Jg. (2008), H. 6 631 hässlich“ und schrieb ihm den „Charme eines viktorianischen Badezimmers“ zu. Als Joseph Wheeler 1926 die Bibliotheksleitung übernahm, begann er umgehend mit Werbemaßnahme, reduzierte den Verwaltungsaufwand und verpflichtete die Mitarbeiter zur Fortbildung, um einen mehr benutzerorientierten Service zu er- reichen. Innerhalb weniger Jahre gelang eine Verdoppelung der Ausleihzahlen auf fast 2,5 Millionen. Und Mr. Wheeler setzte den Neubau der Bibliothekszentra- le an die Spitze seiner Prioritätenliste. Obgleich Bürgermeister und Stadtrat das Projekt nur halbherzig unterstützten, vermochte er den Beirat zu begeistern und auch in der Presse ein positives Echo zu erreichen. Nachdem 1927 mehr als 70 Prozent der stimmberechtigten Bevölkerung für das rund 3 Millionen Dollar teure Projekt votiert hatte, wurde der Altbau demoliert, und 1931–33 entstand an der- selben Stelle, allerdings mit der Fassade ausgerichtet auf die rückwärtige, belebte Cathedral Street, das dreistöckige, geräumige Gebäude. Es wies 1.100 Sitzplätze auf und bot die Mehrzahl der Medien auf offenen Regalen an, damals ein Novum in Großstadtbibliotheken. Als Besonderheit gab es eine Kinderabteilung mit of- fenem Kamin und einem Fischteich sowie ein glasumbautes Amphitheater. In den Folgejahren sollte die EPFL für ihre innovative Kinder- und Jugendabteilung lan- desweite Aufmerksamkeit erlangen. Als die Zentrale im Februar 1933 ihre Tore öffnete, waren in Baltimore die Auswir- kungen der Weltwirtschaftskrise unübersehbar. Jeder vierte Arbeitnehmer hatte seinen Job verloren, und der Stadtkämmerer musste jeden verfügbaren Dollar für soziale Hilfsmaßnahmen bereitstellen. Für die EPFL bedeutete dies deutliche Bud- geteinschnitte, und zugleich ergaben sich durch die vielen Arbeitslosen, die nun die Bibliothek aufsuchten, drastisch steigende Benutzerzahlen. Angesichts der so- zialen Not ließ die Bibliotheksleitung Programme für Arbeitlose ausarbeiten, die Anleitungen für Heimarbeit (z.B. Gemüseanbau, Konservieren, Kaninchenzucht), Hilfen für Anträge beim Sozialamt sowie berufliche Qualifizierungskurse umfass- ten. Große Popularität brachten der EPFL die zwölf großen Fensterflächen an der Cathedral Street, die zu Werbezwecken eingesetzt wurden. Sammlungsschwer- punkte ließen sich dort herausstellen, und indem die Themen alle zwei bis drei Wochen wechselten, lenkte man das Interesse der Passanten auf das vielfältige Medienangebot. Um die Bibliothek ins Gespräch zu bringen, bezog man auch tagesaktuelle Themen ein, etwa den Fund einer Tarantel in einer exotischen Warensendung, was die Presse gern aufgriff und viele Neugierige vor die Aus- lagen der EPFL brachte. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden die Produktionskapazitäten der in Baltimore ansässigen Flugzeugwerke und Werften erweitert, Arbeitskräfte ström- ten in die Hafenstadt und Militärisches dominierte das Tagesgeschehen. Die Aus- leihwünsche der Benutzer verlagerten sich nun auf technische Anleitungen und Kriegsliteratur, und die Bibliothek suchte dieser Nachfrage gerecht zu werden. Als
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