Path:
Volume Heft 4

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue42.2008 (Rights reserved)

Informationsvermittlung Themen Bibliotheksdienst 42. Jg. (2008), H. 4 395 rechnen, stark verzerrte Daten zu erhalten. Die Tendenz, im Sinne der sozialen Erwünschtheit zu antworten, kann niemals ganz ausgeschaltet werden. Viele Per- sonen antworten auch dann in diese Richtung, wenn sie nicht beurteilt werden, vielleicht einfach deshalb, weil sie einem sympathischen Dozenten nichts Nega- tives sagen möchten. Man kann sich aber bei der Durchführung der Evaluation auf dieses Problem einstellen bzw. die Ergebnisse der Evaluation mit dem Wissen um dieses Problem bewerten. Neben der Gewährleistung der Anonymität kann man durch die Gestaltung der Instruktion die Wahrscheinlichkeit „ehrlicher“ Antworten erhöhen. Bei der Einfüh- rung der Evaluation ist es wichtig, explizit darauf hinzuweisen, dass man an der tatsächlichen Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessiert ist. Dies kann mündlich oder schriftlich geschehen. Günstig ist in diesem Zusammenhang auch, deutlich zu machen, dass Kritik ernst genommen wird und Änderungen so- weit wie möglich vorgenommen werden. Für die Evaluation sollte Veranstaltungszeit reserviert werden, d. h. das jeweilige Verfahren sollte – sofern realisierbar – direkt im Kurs durchgeführt werden. Auch dies zeigt den Teilnehmern, dass die Evaluation ernst genommen wird, dass sie nicht nebenbei zu erledigen ist. Zudem müssten die Befragten, wenn sie die Fra- gebögen mit nach Hause nehmen, nochmals aktiv werden, um ihre Meinung tatsächlich abzugeben. Dies ist häufig nicht der Fall, die Rücklaufquoten sind bei dieser Befragungsart generell niedrig.5 Bei so geringen Response-Raten kann man die erhaltenen Daten kaum noch seriös verwenden. Es liegt dann lediglich die Meinung einer hochselektiven Stichprobe vor und nicht eine aussagekräftige Beurteilung. Eine zeitlich und organisatorisch dem jeweiligen Rahmen der Veranstaltung ange- messene Durchführbarkeit der angewandten Methode ist ebenso Voraussetzung für eine gelungene Evaluation. Bei einer einmaligen Veranstaltung sind andere Evaluationsmethoden auszuwählen als bei einem Kurs, der sich über ein ganzes Semester erstreckt. Die Evaluation von Einzelveranstaltungen muss natürlich knapper sein als die von mehrmaligen Kursen. Eine „formative“ Evaluation6, bei der in regelmäßigen Abständen über einen längeren Zeitraum (z.B. mehrmals im Semester) mit derselben Teilnehmergruppe evaluiert wird, kommt hier nicht in Frage. Diese wäre bei mehrmaligen Veranstaltungen prinzipiell möglich, wird aber aufgrund des hohen Aufwands nur sehr selten praktiziert. Die einmalige Evaluati- on am Ende einer Veranstaltung nennt Scriven „summativ“, sie ist die am weites- ten verbreitete Form der Lehrevaluation. Als sehr günstig bei längeren Kursen hat 5 Vgl. z.B. Schnell, Rainer ; Hill, Paul ; Esser, Elke: Methoden der empirischen Sozialforschung. München, 2005. 6 Begriff nach Scriven, Michael: The Methodology of Evaluation. In: Gredler, Margaret E.: Program Evaluation. New Jersey, 1996, S. 16.
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.