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Volume Heft 12

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 42.2008 (Rights reserved)

Notizen 1320 Bibliotheksdienst 42. Jg. (2008), H. 12 Geistes im Westen“ zu entwickeln mit dem Auftrag der „Entthronung der Sorbon- ne“. Doch zunächst mussten die bereits 1939 nach Clermont-Ferrand evakuierten Bestände (1,5 Mio Bände) und Kataloge zurückgeführt werden. Kaum war dies abgeschlossen, wurde wegen der beginnenden Luftangriffe der wertvollste Teil erneut verpackt und unter anderem nach Göttingen verlagert. Es war offenbar nicht möglich, innerhalb kurzer Zeit eine geeignete Persönlichkeit für die Leitung zu finden, und so übernahm der Direktor der Universitätsbibliothek Göttingen, Karl-Julius Hartmann unter Beibehaltung seiner Göttinger Funktionen 1941 die kommissarische Leitung. Ihm gelang es, eine vom Gauleiter gewünschte Auftei- lung der Bibliothek in eine Universitätsbibliothek und eine „Oberrheinische Lan- desbibliothek“ (unter Einbeziehung der zerstörten Karlsruher Landesbibliothek) zu verhindern. Innerhalb von drei Jahren hat die Bibliothek die unvorstellbare Summe von 600.000 RM zur Bestandsergänzung ausgegeben. Albert Schmitt, der Leiter der Stadtbibliothek Colmar, war als elsässischer Autor bekannter unter dem Namen Morand Claden. Er wurde im Juli 1940 vom Gauleiter und Chef der Zivilverwaltung im Elsass, Robert Wagner, zum Beauftragten für das gesamte wissenschaftliche Bibliothekswesen im Elsass ernannt. Er organisierte die Rückführung der nach Innerfrankreich evakuierten Bibliotheksbestände und rechnete sich wohl auch Chancen aus, Direktor der Universitäts- und Landesbiblio- thek Straßburg zu werden, was ihm nicht gelang. Er wurde dann Leiter des Straß- burger Goethe-Hauses, war bekennender Nationalsozialist und SS-Untersturm- führer. Über seine Rolle bei der Neuorientierung der elsässischen Bibliotheken berichtete Matthieu Funtsch (Strasbourg). Die letzten Beiträge galten den Beständen verschiedener Institutsbibliotheken der Reichsuniversität Straßburg, die fast auf den Tag genau drei Jahre existierte (November 1941 bis November 1944). Auch hier wurde deutlich, mit welch hohem finanziellen Aufwand in kürzester Zeit versucht wurde, die Bestände zu ergänzen. Alles in allem eine wichtige Konferenz, der zweifellos weitere Untersuchungen in Frankreich folgen werden und die zahllose Anregungen zu weiteren Recherchen gab. Peter Borchardt (Zentral- und Landesbibliothek Berlin)
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