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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 42.2008 (Rights reserved)

Beruf Themen Bibliotheksdienst 42. Jg. (2008), H. 11 1167 lichen inhaltlichen Aufgaben, wie sie insbesondere in den Fachreferaten zutage treten“ ablenke (ebd.). Ferner bekennt man sich (erneut) zu einer „Restitution der Inhalte“ (ebd.) und beharrt auf dem „legitime[n] Recht der Bibliothekare auf wis- senschaftliche Arbeit“ (861). Anhand von Jochums und Oehlings „Replik“ lässt sich auch der zentrale Schwach- punkt der Argumentation von te Boekhorst et al. sehr schön demonstrieren: Still- schweigend hatten diese nämlich vorausgesetzt, dass der höhere Dienst zur Be- wältigung von Leitungs- und Managementaufgaben per se besonders befähigt sei, was freilich in der Tat „weder argumentativ einzusehen noch empirisch zu halten“ (859) sein dürfte (Stichwort: Teamstrukturen). Wollte man das behaupten, müsste man darlegen können, wieso beispielswei- se ein Studium der Romanistik mit nachfolgender Promotion und bibliotheka- rischem Referendariat zu einer ganz besonderen Leitungskompetenz führt. Um- gekehrt müsste man dann auch zeigen können, wieso ein Fachhochschulstudium zu ebendieser Leitungskompetenz nicht führen kann. (ebd.) Oder noch einmal „umgekehrt“: Warum stellt man für den höheren Bibliotheks- dienst eigentlich nicht nur noch gelernte Betriebswirte ein, die von den angeblich so allgegenwärtigen Management-Angelegenheiten schließlich mehr verstehen (sollten) als zum Beispiel die oben erwähnten Romanisten? So ließe sich über- spitzt, aber durchaus in konsequenter Weiterführung der Argumente von te Boekhorst et al. fragen. Zur Betreuung eines geisteswissenschaftlichen Fachreferats wäre unser exempla- rischer Romanist durch sein Studium hingegen sehr wohl qualifiziert und völlig zu Recht wird eine solche Qualifikation von ihm ja auch nach wie vor gefordert. Der von Münsteraner Seite vorgebrachte Einwand, „dass Scharen wissenschaftlicher Bibliothekare alle möglichen Fächer betreuen, nur nicht das, was sie einmal stu- diert haben“ (te Boekhorst et al., 691) hat natürlich seine Berechtigung; entgegen- gehalten werden kann ihm aber die Tatsache, dass in der überwiegenden Mehr- zahl der Fälle eben nicht „alle möglichen Fächer“ betreut werden, sondern solche, die dem eigenen Studienfach zumindest nahe stehen, so dass die betroffenen Fachreferenten häufig etwa auf ihre im Studium erlernten Methodenkenntnisse zurückgreifen können (von inhaltlichen Schnittmengen zwischen den benach- barten Disziplinen ganz zu schweigen).8 8 Auf diesen Aspekt haben Generationen von bibliothekarischen Berufsbildtheoretikern verwiesen – zumeist in Anlehnung an Adolf von Harnack, der den (in seiner Universalität sicherlich übertriebenen) Aphorismus „Wer eine Wissenschaft besitzt, besitzt sie alle“ prägte.
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