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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 42.2008 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 42. Jg. (2008), H. 11 1159 zu erwerben, und das sogar in Disziplinen, die noch nicht zum Lehrprogramm gehörten. Dies geschah in der Annahme, dass auch solche Werke für die Ausbil- dung der künftigen Führungsschicht in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft der USA von Belang sein könnten. Von Seiten der zahlreichen Mäzene gingen zudem Spezialsammlungen in größerer Zahl ein, die thematisch von Slavica und inter- nationalem Recht bis zu skandinavischer Geschichte reichten. Schon bald konnte die Katalogabteilung nicht mehr die Fülle der eingehenden Schriften bewältigen, und auch deren Verwahrung bereitete erhebliches Kopfzerbrechen. Gore Hall erhielt 1907 bereits einen zweiten Anbau, aber auch danach blieb die Raumnot unübersehbar. Da kam die Zusage der Familie Widener für die Finanzierung eines repräsentativen und geräumigen Neubaus gerade recht, der 1915 eingeweiht wurde. Um mit der rapiden Expansion der Sammlungen Schritt zu halten, wurden auch in den folgenden Jahrzehnten neue Bibliotheksgebäude erstellt, die jeweils fachspezifische Sammlungen aufnahmen. Somit trug die Direktion der Harvard College Library bewusst auch zur Dezentralisation der Kollektionen bei. Mit ihren ca. 3 Millionen Bänden ist heute die Widener Memorial Library die zen- trale Bibliothek auf dem Harvard-Campus. Sie wurde gestiftet von Eleanor Wi- dener in Erinnerung an ihren Sohn Harry, der 1912 mit dem Ozeanriesen Titanic unterging. Für die bibliophilen Schätze (Handschriften, Inkunabeln, wertvolle Drucke) wurde 1942 die Houghton Library errichtet (gestiftet von Arthur Hough- ton), die erste Rara-Bibliothek einer amerikanischen Universität. Als nächste öff- nete 1949 die Lamont Library ihre Tore (dank einem Stiftungsbetrag von Thomas Lamont), deren Bücherkollektion erstmals auf die spezifischen Informationsbe- dürfnisse der „undergraduates“ abgestellt war (seit 2007 umgewandelt in die so- zialwissenschaftliche Fachbibliothek). 1956 kam die Loeb Music Library hinzu, und Mitte der 1960er Jahre wurde die Fine Arts Library geschaffen. Seit 1973 gibt es die Cabot Library, deren Sammlungen auf Mathematik und die Naturwissenschaften ausgerichtet sind. 1965 wurde die Yenching Library eingerichtet, die auf Ostasi- atica spezialisiert ist (heute die größte universitäre Kollektion in der westlichen Welt). Die 1979 eingerichtete Tozzer Library widmet sich den Fächern Archäolo- gie, Ethnologie und Anthropologie, und seit 2005 besteht die Fung Library, die Materialien zu Russland, Japan und China bereithält. Insgesamt verwahren die zur Harvard College Library zählenden Bibliotheken rund 11 Millionen bibliografische Einheiten. Daneben unterhalten die neun Fakultäten Harvards eine größere Zahl von Kollektionen, so dass auf dem Campus offiziell mehr als 80 Bibliotheken exis- tieren, deren Gesamtbestand mit rund 16 Millionen bibliografischen Einheiten angegeben wird. Als 1860 die mit William Grays Stiftungsgeldern erworbenen Bücher eintrafen, hatte die Harvard College Library deren Verzeichnung erstmals auf Katalogkarten vorgenommen, damals ein innovatives Konzept. Aber nicht alle zu der Zeit beste- henden Bibliotheken folgten diesem Schritt, und wenn sie es später taten, dann
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