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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 42.2008 (Rights reserved)

Ausland Themen Bibliotheksdienst 42. Jg. (2008), H. 11 1155 Themen Harvard University Libraries Gernot U. Gabel Im Verlauf der Diskussion um deutsche „Eliteuniversitäten“ zog man zum Vergleich gern anglo-amerikanische Spitzenuniversitäten heran, allen voran die Harvard University. Sie ist nicht nur die älteste, sondern mit Abstand auch die bekannteste Hochschule der USA und zählt seit Jahren zu den Prestigeadressen des amerika- nischen Bildungswesens. Und Harvard unterhält das größte Bibliothekssystem al- ler US-Universitäten, nach der Library of Congress das zweitgrößte des Landes. Die Universität Im Oktober 1636, also nur 16 Jahre nach der Landung der „Pilgerväter“ am Ply- mouth Rock, verabschiedete das Parlament der „Massachusetts Bay Colony“ ein Gesetz, mit dem in der kleinen Gemeinde Newtowne am Charles River ein „New College“ gegründet wurde. Die nach dem Vorbild von Oxford und Cambridge ein- gerichtete Hochschule sollte vornehmlich Pfarrer für die Gemeinden in der von den Puritanern geleiteten Kolonie ausbilden. Zwei Jahre später begannen für die ersten 9 Studenten die Vorlesungen, und im selben Jahr vermachte John Harvard (1607–1638), ein Absolvent der Universität Cambridge, der 1637 als Pfarrer nach Massachusetts gekommen war, der jungen Hochschule testamentarisch seine persönliche Bücherkollektion im Umfang von rund 400 Bänden sowie einen Spen- denbetrag von 779 Pfund, damals ein beträchtliche Summe. Aus Dankbarkeit für diese großzügige Schenkung beschloss das Parlament, nicht nur das College nach dem Mäzen zu benennen, sondern auch die kleine Gemeinde nach ihrem großen Vorbild Cambridge. Harvards Unterrichtssystem richtete sich nach dem Muster englischer Universi- täten und bot als Abschlussdiplome den Bachelor und Master. 1650 gab das Par- lament der Kolonie dem College eine Satzung, mit der ein den Grundsätzen der Puritaner genehmes Lehrangebot festgelegt und ein fünfköpfiger Vorstand als oberstes Leitungsgremium, die sogenannte „corporation“, etabliert wurde, die noch heute die Geschicke der Universität bestimmt. Die ersten Rektoren waren alle Pfarrer, aber schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts rückte Harvard langsam von puritanischen Grundsätzen ab. Dennoch blieb das College (seit 1780 Uni- versität) bis ins frühe 19. Jahrhundert von Persönlichkeiten der Kirche geprägt, dann setzte ein langsamer Ablösungsprozess ein, der 1851 dazu führte, dass we- der kirchliche noch staatliche Repräsentanten dem Aufsichtsgremium ex officio angehörten. Als auch der Bundesstaat Massachusetts 1824 die finanziellen Un- terstützungszahlungen für Harvard einstellte, wandte sich die Universitätsleitung an die wohlhabenden Bürger Bostons (Cambridge ist inzwischen ein Ortsteil Bos-
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