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Volume Heft 8

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 41.2007 (Rights reserved)

Themen Ausland 872 Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 8 einer gut ausgestatteten Büchersammlung für einen umfassenden akademischen Bildungsprozess hervor und unterstrich, wie attraktiv eine gut ausgestattete Bi- bliothek die Universität für Lehrende wie Studierende machen könnte. Aber bei diesem Lippenbekenntnis beließ es die hochschulleitung während der folgenden Jahre weitgehend, denn die Bibliothek erhielt nur geringe Erwerbungsmittel zugewiesen. 1870 waren die Lehrstühle zu vier fakultäten (Geistes- und Sozial- wissenschaften, Landbauwissenschaft und Ingenieurwesen) zusammengefasst worden, und im selben Jahr wurden erstmals Studentinnen immatrikuliert. 1885 erfolgte der Namenswechsel zur „University of Illinois“. In den ersten dreißig Jahren ihrer Existenz blieb das Wachstum der Bücherkol- lektion hinter den hochgesteckten Erwartungen deutlich zurück, was wohl auch daran lag, dass die Universität eher auf die vermittlung praktischer fertigkeiten ausgerichtet war. 1897 zählte man gerade einmal 30.000 Bände im Bestand. Aber im selben Jahr konnte endlich auch das erste Bibliotheksgebäude fertiggestellt werden, ein in neoromanischem Stil errichteter Baukörper, dessen kuppelsaal dem thronraum des bayerischen königs Ludwig II. nachempfunden sein soll. Mit katharine L. Sharp, einer Mitarbeiterin Melvin Deweys, wurde mit dem Einzug in den Neubau auch die erste ausgebildete Bibliothekarin an die Spitze der Univer- sity Library berufen, die dort sogleich eine Bibliothekarschule etablierte. Mit Mrs. Sharps Dienstantritt setzt für die Bibliothek nun der Aufschwung ein, denn schon im selben finanzjahr stieg der bislang äußerst bescheidene Erwerbungsetat auf das Sechsfache! Als vorteilhaft erwies sich zudem, dass die nach der Jahrhundert- wende ins Amt berufenen Präsidenten der Universität ein offenes ohr für die Be- lange der Bibliothek hatten und für einen weiterer Anstieg der Erwerbungsmittel plädierten. Zusätzliche Argumente für den Aufbau einer guten Literaturkollektion ergaben sich durch die Einführung weiterer Studienfächer wie Rechts- (1900) und Erziehungswissenschaften (1905) und insbesondere 1906, als die Universität erst- mals ein Graduiertenstudium einrichtete, das bekanntlich qualitätsvolle Spezial- kollektionen in den angebotenen fächern voraussetzt. Die Expansionsjahre Mit der Ausweitung des Graduiertenprogramms auf weitere fächer nahm der Druck des Lehrkörpers auf die hochschulleitung zu, die Büchersammlung mög- lichst schnell zu vergrößern und forschungsrelevante Materialien bereitzustellen. Der fernleihverkehr war damals noch wenig entwickelt und ein Akademiker, der weitab von den nationalen Zentren der Gelehrsamkeit wie Chicago, Boston oder New York seine forschungen vorantreiben wollte, stieß nur zu bald an die Grenzen dessen, was die eigene Bibliothek bereitzustellen im Stande war. Deshalb stimmte der Universitätspräsident 1912 auch dem Beschluss zu, die Literatursammlung der University Library möge, gemäß dem vorbild der großen Universitätsbibliotheken
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