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Volume Heft 7

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue41.2007 (Rights reserved)

Themen Bibliotheken 738 Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 7 rung dieser Ergebnisse andererseits erfordert viel Arbeitszeit und ist mit hohen kosten verbunden. Diese kosten werden über die zeitschrift erwirtschaftet. herr von Thadden ist Mitherausgeber des „Journal of financial intermediation“, das von Elsevier verlegt wird. Dafür verwendet er zwei Arbeitstage je Woche. Er ist erstaunt darüber, dass das Land Baden-Württemberg ihn dafür bezahlt, dass er diese Arbeit – für die Wissenschaftsgemeinschaft und für den Verlag – macht. in den USA wird die herausgeberschaft von den Universitäten allerdings zusätzlich honoriert, indem dem herausgeber von der Universität das gehalt erhöht wird und er zusätzlich das Lehrdeputat reduziert bekommt. Der zeitschrift werden jährlich etwa 300 Artikel eingereicht. für jeden Artikel wer- den zwei gutachten angefertigt, und jeder gutachter braucht für ein gutachten jeweils zwei Tage. Damit erfordert diese zeitschrift jährlich 600 Arbeitstage für die Begutachtung. Dieser Aufwand wird von den Arbeitgebern der gutachter getra- gen. Was Elsevier den gutachtern und herausgebern für diese Arbeit vergütet, ist im Verhältnis zum Aufwand nicht der rede wert. Die zeitschrift kostet bei Elsevier Euro 500 je Abonnement. Die Abonnements der deutschen Bibliotheken reichen aus, die Drucklegung und den Vertrieb zu bezahlen. Die Erlöse aller außerhalb von Deutschland verkauften Abonnements sind für Elsevier reingewinn. Ein zeitschriftentitel ist eine Marke. Das renommee der zeitschrift ist in vielen Jahren erarbeitet und kann nur zerstört werden, wenn die herausgeber dies vor- sätzlich wollen. Wenn sie dies fahrlässig geschehen lassen, greift der Verlag ein und wechselt die herausgeber aus. Die herausgeber der European Economic re- view sind vor sechs Jahren bei Elsevier ausgestiegen, da sie mit der Politik von El- sevier nicht einverstanden waren und haben eine neue zeitschrift gegründet, das Journal of European Economic Association. Diese wird im Auftrag der Association von MiT Press herausgegeben. obwohl die besten Ökonomen Europas daran be- teiligt sind und alles tun, das renommee dieser neuen zeitschrift aufzubauen, hat sie noch lange nicht den früheren rang der European Economic review erreicht. Dies dauert nach Einschätzung des referenten 10 bis 20 Jahre. zeitschriften werden von den Bibliotheken nur gekauft, wenn sie von den Wis- senschaftlern als zertifizierungsinstrument anerkannt sind, d.h. wenn sie einen entsprechenden rang haben. Das ökonomische Problem ist, dass der zeitschrif- tenmarkt ein „zweiseitiger Markt“ ist, d.h. die zeitschriften sind eine Plattform zwischen Autoren und Lesern, diese sind zum großen Teil identisch und es be- steht eine gegenseitige Abhängigkeit der Erwartungen. In der Diskussion wurde geklärt: für die Verbreitung der information sind zeit- schriften nicht mehr erforderlich, aber für die zertifizierung des Wissens sind sie derzeit unabdingbar. Deshalb ist es nicht mehr erforderlich, dass die Biblio- theken aller an den jeweiligen zeitschriften interessierten Wissenschaftlern diese physisch beschaffen, bearbeiten, lagern und wieder entsorgen. Aber es ist not-
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