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Volume Heft 7

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 41.2007 (Rights reserved)

Themen Ausland 72 Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 7 listete dieser gerade einmal 372 Titel auf. Etwa zur selben zeit zog die Bücher- sammlung in den Westflügel des State house um (heute die independence hall) und öffnete sich auch Nichtsubskribenten, indem sie von ihnen eine rückzahlbare kaution in höhe des Buchwertes verlangte. Die LCP nahm somit auch die funktion einer öffentlichen Bibliothek der Stadt wahr. Um 1770 war die zahl der Subskri- benten auf mehr als 500 angestiegen, was etwa zehn Prozent der haushalte in Philadelphia entsprach. Fast die Kongressbibliothek Als die Bücherkollektion langsam aber stetig an Umfang zunahm, wurde sie 1773 in das obergeschoss der zimmermannsgilde verlegt. Das erwies sich als bedeut- sam, als 1774 der „Continental Congress“ zusammentrat, die erste Vertretung der dreizehn britischen kolonien in Nordamerika. Die Abgeordneten wählten selbst- verständlich Philadelphia als Tagungsort, damals die wohlhabendste Stadt Nord- amerikas. Die Debatten fanden im Versammlungsraum der „Carpenters’ hall“ statt, und die pragmatisch orientierte Bibliotheksleitung erließ die Anweisung, man möge den Abgesandten alles an Büchern bereitstellen, was für ihre Arbeit von Bedeutung sein könnte. Philadelphia blieb das politische zentrum der sich gegen die britische krone auflehnenden kolonien, und die Bibliothek, die damals die umfangreichste Büchersammlung in Pennsylvania beherbergte, nahm somit rund ein viertel Jahrhundert quasi die rolle der „Library of Congress“ wahr, be- vor diese im Jahre 1800 tatsächlich in Washington gegründet wurde. Nach Unter- zeichnung der „Declaration of independence” und dem Beginn der kriegshand- lungen war die Stadt den Wirren der revolutionsereignisse ausgesetzt, und die Carpenters’ hall wurde z.B. als Lazarett genutzt. Das Leihgeschäft kam weitge- hend zum Erliegen, und auch während der britischen Besatzungszeit war an eine ungestörte Bibliotheksarbeit kaum zu denken. Erst nach dem Pariser friedens- schluss zwischen den kriegsgegnern, mit dem 1783 die amerikanischen kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden, trat das Direktorium wieder regelmäßig zusammen und sandte den Londoner Buchhändlern erneut Bestellungen zu. Die Verhandlungen der „Constitutional Convention“, die 1787 zur gründung der „Vereinigten Staaten von Amerika“ führten, fanden ebenfalls in Philadelphia statt, und dort installierte sich auch die erste Bundesregierung der USA, die in der Stadt- mitte ihre politische zentrale errichten ließ. für ein Jahrzehnt, von 1790 bis 1800, war Philadelphia die hauptstadt der jungen republik. im ganzen Land herrschte eine Aufbruchsstimmung, von der sich auch die Bibliotheksleitung erfassen ließ. Die LCP erwarb in unmittelbarer Nähe zum State house ein grundstück und errich- tete dort ihr erstes Bibliotheksgebäude. Der zweigeschossige, im Palladianischen Stil erstellte Baukörper wies eine fassade aus rotem Backstein und weißen Säulen auf; in der Nische über dem Eingang wurde eine Marmorstatue Benjamin frank-
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