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Volume Heft 3

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue41.2007 (Rights reserved)

Aus der BID 266 Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 3 ge Lernen, fehlt in Deutschland – im Gegensatz zu den erfolgreichen PISA­Ländern – die strategische Verankerung der Bibliotheken als Teil der Bildungsinfrastruktur. Durchgängige bildungspolitische Zielsetzungen sind mit dem Bibliothekswesen heute weder auf Länderebene noch in der Politik des Bundes in ausreichendem Maße verbunden. Informationskompetenz als wichtiger Baustein für den Beruf wird nicht regulär in den Schulen unterrichtet. Das Bibliothekssterben, Strukturfragen, gesetzliche Regelungen und die Bildung einer Bibliotheksentwicklungsagentur BEA (Themen der Enqu?tekommission) An Beispielen, wie auf der einen Seite zwar neue größere Bibliotheken entstehen, andererseits aber Zweigstellen geschlossen werden müssen, wurde das Biblio­ thekssterben in Deutschland erläutert. Kinder und ältere Menschen, die Biblio­ theken in ihrer Nähe brauchen, haben es immer schwerer. Zwischen 18 und 20 Pro­ zent unserer Bevölkerung leben in Gemeinden ohne eine öffentliche Bibliothek. Zwei Drittel der EU­Mitgliedsstaaten haben auf nationaler Ebene gesetzliche Rege­ lungen über die verbindliche Existenz und die Aufgaben von Bibliotheken für Bildung und Lebenslanges Lernen. Deutschland hat dagegen keine gesetzlichen Regelungen für Bibliotheken. Die Tatsache, dass Bibliotheken, zum Beispiel in den Kommunen, rechtlich als „frei­ willige Leistungen“ gelten, führt bei Konsolidierungsmaßnahmen zu besonders drastischen Reduzierungen im Haushalt von Stadtbibliotheken. Auch die Global­ haushalte für Hochschulen sehen für die Universitätsbibliotheken keine verbind­ lichen Ausstattungen mehr vor. Ohne nationale Regelungen oder zumindest Lan­ desgesetze gibt es weder eine Verbindlichkeit für die Existenz von Bibliotheken überhaupt, noch gibt es verbindlich anerkannte Qualitäts­ oder Effizienzstandards, die auch die Unterhaltsträger verpflichten. Am Beispiel der Deutschen Internetbibliothek wurde dem Bundespräsidenten aufgezeigt, wie schwierig es ist, für gute kooperative Aktivitäten auf den verschie­ denen Ebenen Zuständigkeiten oder auch nur kompetente Ansprechpartner für Bibliotheken zu finden. Dies entspricht der Analyse in „Bibliothek 2007“, nach der es an zentraler Koordinations­ und Steuerungsleistung mangelt, um die föderalen Strukturen und lokale Eigenverantwortlichkeit sinnvoll zu ergänzen. Die Gäste des Kulturfrühstücks waren sich einig, dass ein strategischer nationaler Rahmen­ und Maßnahmenplan erarbeitet werden sollte, auf dessen Grundlage eine nationale „Bibliotheksentwicklungsagentur (BEA)“ als zentrales Steuerungs­ instrument für Innovation und Qualitätssicherung der bundesweiten Bibliotheks­ entwicklung gebildet werden müsse. Als Beispiel wurden andere Länder genannt, die erfolgreich auf nationale Agenturen setzen, die dort zur Weiterentwicklung der Bibliotheken beitragen.
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