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Volume Heft 2

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue41.2007 (Rights reserved)

Themen Ausland 136 Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 2 Das Pariser „Musée des Arts Décoratifs“ und seine Bibliothek Gernot U. Gabel Nach einer fast zehnjährigen Renovierungsphase öffnete das Pariser „Musée des Arts Décoratifs“ Mitte September 2006 wieder seine Tore für Besucher. Mit ihren rund 160.000 Bänden verwahrt die Bibliothek heute die größte Kollektion zur an- gewandten Kunst in Frankreich. Während die prachtvollen Schätze des Louvre größtenteils aus königlichem oder hochadeligem Besitz stammen, hat das „Musée des Arts Décoratifs“ (MAD) sei- ne Kollektion zumeist durch Schenkungen bürgerlicher Gönner erhalten; sie ver- mag somit vornehmlich die private Geschmacksentwicklung des französischen Bürgertums vom Mittelalter bis zur Gegenwart widerzuspiegeln. Die Ursprünge des MAD reichen bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, als nach der Lon- doner Weltausstellung des Jahres 1851 die Produkte englischer Industriefirmen sich auf den europäischen Märkten durchsetzten. Diese preiswerten, wenngleich nicht immer ansprechend maschinell hergestellten Waren fanden regen Absatz, aber die französischen Hersteller wollten sich mit der „geschmacklichen Vulgari- sierung“ der Industrieproduktion nicht abfinden, waren sie doch überzeugt, dass sich die meist noch handgefertigten französischen Gebrauchsgüter im Design po- sitiv von den Konkurrenzprodukten abhoben („la suprématie du go?t“). Um die Fabrikanten des Landes anzuregen, möglichst kunstvoll gestaltete Gegenstände zu kreieren, tat sich 1863 eine Gruppe von Handwerkern, Industriellen, Künstlern und Förderern zusammen mit dem Ziel, ein Museum für die angewandten Küns- te zu schaffen, damit jedermann hervorragende Zeugnisse französischer Hand- werkskunst in Augenschein nehmen konnte. 1864 wurde die „Union Centrale des Beaux-Arts Appliqués ? l’Industrie“ als privat geführter Verein gegründet, der im selben Jahr eine Bibliothek einrichtete und zudem ein kleines Museum, das zwei Räume eines Gebäudes am Place des Vosges belegte. In den Gassen des Marais genannten Stadtviertels waren damals Möbeltischler, Gold- und Kunstschmiede, Töpfer, Glasbläser und andere Handwerksbetriebe angesiedelt, die sich im Muse- um wie in seiner Bibliothek von den Werken der kunsthandwerklichen Vorzeigebe- triebe inspirieren ließen, und dieser Zielrichtung passte sich die Bibliothek durch Öffnungszeiten bis zehn Uhr abends an. Mit Ausstellungen im Palais de l’Industrie vermochte die seit 1882 „Union Centrale des Arts Décoratifs“ (UCAD) genannte Vereinigung, der Gönner in der Zwischenzeit eine Vielzahl qualitätvoller Exponate übereignet hatten, ein größeres Publikum zu erreichen und weitere Förderer für ihre Anliegen einzunehmen. Im folgenden Jahrzehnt nahm das Präsidium der UCAD Verhandlungen mit dem französischen Staat auf, und in mehrjährigen Konsultationen erlangte man im
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