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Volume Heft 12

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 41.2007 (Rights reserved)

Bibliotheken Themen Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 12 1285 desselben Titels? Notwendig ist auch eine sammlungsspezifische Erschließung, wie sie in der angelsächsischen Fachliteratur favorisiert wird, für die es in Deutsch- land aber wenig Bewusstsein gibt. Eine solche sammlungsspezifische Erschließung würde weit über eine konventionelle Titelaufnahme mit Schlagworterschließung hinausgehen, da Beziehungen zwischen den Werken ebenso verzeichnet würden wie Erwerbungsart, Präsentationen oder die „Agents“, die mit einer Sammlung in Handlung stehen, wie Initiatoren, Produzenten, Sammler, Besitzer, Vorbesitzer, Verwalter etc. Bei der Forschung nach NS-Raubgut wären solche Angaben hilf- reich, allerdings enthalten nur die wenigsten Kataloge solche Angaben, die mü- hevoll aus Daten in den Büchern selbst, aus Akzessionsjournalen, Bücherlisten, anderen Archivalien, und, wo noch möglich, aus mündlichen Informationen zu- sammengetragen werden müssen. Die Dokumentation von NS-Raubgut ist eine komplexe Aufgabe, die aus folgenden Segmenten besteht: 1. Identifizierung: diese Aufgabe ist von überregionaler Bedeutung, aber nur re- gional vor Ort zu lösen 2. Die aufgefundenen Bücher müssen in Form virtueller Kataloge nachgewiesen werden. Diese Nachweise sollen einerseits in den allgemeinen Katalogen ent- halten sein; aber auch als eigene Sammlung nachgewiesen und zu anderen Sammlungen in Beziehung gesetzt werden. So sinnvoll und klug Webers Ausführungen waren, so sehr übersieht er, dass es auch heute noch nicht gelungen ist, die dringend wünschenswerte Spaltung von Bibliothek, Archiv und Dokumentation zu überwinden; ein Projekt, von dem der Verfasser seit 30 Jahren träumt. Und er übersieht, dass mittlerweile neue Paradig- menwechsel stattgefunden haben. Die Bibliotheken werden zunehmend zu billi- gen Kopierstationen für die freie Wirtschaft, die bibliothekarische Dienstleistun- gen längst in ihr Rationalisierungskalkül eingebaut hat und darauf vertraut, dass in Bibliotheken nicht im gleichen Masse rationalisiert wird wie in den eigenen Reihen. Dieses Kalkül geht aber dank einer skrupellosen Politik nicht auf, da diese Politik umgekehrt darauf setzt, Informationsdienstleistungen um jeden Preis zu privatisieren und das belangloseste Paper kostenpflichtig lesbar zu machen. Wir sind also in einer historischen Situation, in der recht sicher zu prognostizieren ist, dass das Konzept einer verantwortungsvollen Informationsversorgung zu- sammenbrechen wird, weil sowohl staatliche als auch private Finanziers nur noch in kommerziellen Kategorien denken, aber keine bezahlenswerten Inhalte mehr liefern. Und Weber fordert eine sehr berechtigte Anreicherung mit wirklichen In- halten für unsere Katalogisate ein in einer Zeit, die sich die Verantwortungslosig- keit auf die Fahne geschrieben hat und es für geradezu erstrebenswert hält, dass Krethi und Plethi via Web 2.0 alles überall publizieren dürfen oder als „Content- enrichment“ sogar in Bibliothekskataloge einbringen. Es wird allmählich Zeit für einen Schutz von Bibliothekskatalogen vor fremden, unprüfbaren Inhalten. Jür- gen Webers Thesen waren allesamt wichtig für eine Fortentwicklung des biblio-
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