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Volume Heft 11

Full text: Bibliotheksdienst (Rights reserved) Issue 41.2007 (Rights reserved)

Bibliotheken Themen Bibliotheksdienst 41. Jg. (2007), H. 11 1129 Iqbals suchte 1977 die Botschaft von Pakistan nach dem Original der Dissertation und ging davon aus, dass es sich um das Manuskript handeln würde, von dem bereits im Oktober 1976 in einer englischsprachigen pakistanischen Zeitung un- ter Berufung auf den Direktor der Universitätsbibliothek München die Rede war. Buzás sprach allerdings vom Originaldruck, der in englischer Sprache abgefasst war, und nicht -manuskript. Diese irrtümliche Meldung entfachte eine ebenso aberwitzige wie hektische Su- che nach dem vermeintlichen Originalmanuskript durch den Presseattaché der pakistanischen Botschaft in Bonn-Bad Godesberg. Etwas delikat wurde die Ange- legenheit zudem durch das Gerücht, dass die Bayerische Staatsregierung einige Jahre zuvor das Manuskript ausgerechnet der Regierung von Indien geschenkt haben soll. Tatsächlich hatte der Freistaat Bayern 1969 der indischen Regierung ein Buchgeschenk entgegengebracht, nämlich den Originaldruck der Iqbalschen Dissertation. Vor der Übersendung des Drucks an die Bayerische Staatskanzlei hat- te Buzás selbst eine Xerokopie anfertigen lassen, die anstelle des Originaldrucks in den Bestand eingereiht wurde. In den von Missverständnissen über Druck und Manuskript durchzogenen deutsch-englischen Briefwechsel schalteten sich ne- ben den diplomatischen Vertretungen Pakistans in Bad Godesberg und München das Rektorat der LMU, die damals in harvard lehrende Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel, die Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Biblio- theken, die Universitäts- und Landesbibliothek Münster und die Staatsbiblio- thek Preußischer Kulturbesitz Berlin ein. Es kostete Buzás nicht weniger als vier Schreiben, um das Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Schon leicht genervt äußerte er schließlich gegenüber dem Generalkonsul von Pakistan in München: „Ich versichere Ihnen, dass an der Universität München weder das Manuskript der Dissertation von Iqbal noch die Manuskripte von anderen Dissertationen aufbe- wahrt werden. Das Manuskript von Iqbal wurde von der Londoner Druckerei ent- weder Iqbal selbst zurückgegeben oder nach Beendigung des Druckes vernichtet. Dieses Verfahren ist allgemein üblich.“9 Klagen, in denen von bürokratischem Unverständnis oder gar Nazimethoden die Rede war, völlig unleserliche bzw. sprachlich sowie inhaltlich konfuse Infor- mationsbegehren, professorale Nörgeleien um Nichtigkeiten sowie Beschimp- fungen gehören noch heute zum prinzipiell zeitlosen Standardrepertoire von Benutzeranfragen bzw. -beschwerden in Bibliotheken; allein 22 der 53 Materialien lassen sich diesem Genre von Irren und Wirren zuordnen.10 So fragte beispiels- weise ein Doktorand aus Baden-Württemberg an, ob für seine Arbeit mit dem bahnbrechenden Thema „Kriterien für die Wahl des Transportmittels bei Expor- 9 UB München, 4° Cod. ms. 996(20#1: Schreiben vom 24. 10. 1977. 10 UB München, 4° Cod. ms. 996(20#3, 5, 6, 15, 20, 23, 24, 25, 28, 29, 36, 37, 38, 39, 40, 41, 42, 46, 47, 51, 52 u. 53.
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